Zeuge in Jesidenprozess: Deutsche als „fremde Märtyrerin“

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Richterhammer
Ein hölzerner Hammer liegt auf der Richterbank in einem Verhandlungssaal. (Foto: Uli Deck/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die im Prozess um ein verdurstetes Jesidenmädchen angeklagte Deutsche hat laut Verfassungsschützern in sozialen Medien mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sympathisiert. Die 28-Jährige sei im Internet mit einem Namen aufgetreten, den man mit fremde oder westliche Märtyrerin übersetzen könne, sagte ein Beamter des Bundesamtes für Verfassungsschutz am Donnerstag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht (OLG) München. Die aus Niedersachsen stammende Frau soll laut Anklage tatenlos zugesehen haben, wie das Sklavenmädchen ohne Wasser in der prallen Sonne ausharren musste. Vorgeworfen werden ihr deshalb Mord durch Unterlassen und Kriegsverbrechen.

Jennifer W. habe die Errichtung des Kalifats gelobt und andere Menschen zur Reise in das IS-Gebiet aufgefordert, sagte der Verfassungsschützer. Auf einer Plattform soll sie geschrieben haben: „Get married and migrate to Sham“, heiratet und wandert nach Syrien aus. Auch einen Mordaufruf wollen die Ermittler entdeckt haben, soll sie doch unter dem Foto eines Mannes geschrieben haben: „Dieses halbe Hemd“ treibe immer noch sein Unwesen. Ein Haufen Brüder mache sich auf, ihn zu killen.

Laut Anklage war die 28-Jährige mit einem Iraker verheiratet, der das Mädchen und dessen mutmaßliche Mutter als Sklavinnen gehalten haben soll. Er soll das Mädchen 2015 bei sengender Sonne im Hof seines Anwesens angebunden haben, um es zu bestrafen. Die mutmaßliche Mutter des Mädchens hatte als Zeugin davon berichtet. Das genaue Geschehen ließ sich nicht rekonstruieren, auch weil es einige Widersprüche gab.

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