Wolbergs-Ehefrau im Prozess: Vorwürfe gegen Mann „haltlos“

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Verfahren gegen Wolbergs
Joachim Wolbergs sitzt im Verhandlungssaal im Landgericht. (Foto: Armin Weigel / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Ehefrau des suspendierten Regensburger Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs hat vor dem Landgericht die Vorwürfe gegen ihren Mann als „haltlos“ bezeichnet. Anja Wolbergs sprach am Freitag unter anderem von den Belastungen durch die Ermittlungen für ihren Mann und für die beiden Kinder. Auch zu einem Darlehen an den Regensburger SPD-Ortsverein Stadtsüden im Kommunalwahlkampf 2014 machte sie Angaben. Schon im ersten Prozess gegen ihren Mann hatte sie ausführlich ausgesagt.

Das Ehepaar Wolbergs lebt seit fast fünf Jahren getrennt. Sie sähen sich einmal die Woche, sagte Anja Wolbergs. Sie und die beiden Kinder würden von ihrem Mann finanziell unterstützt. Freundschaftlich fiel auch die Begrüßung zwischen den Eheleuten vor dem Gerichtssaal aus.

Gemeinsam hatte das Paar dem SPD-Ortsverband, in dem Anja Wolbergs seit 2006 als Kassiererin fungierte, ein Darlehen in Höhe von knapp 230 000 Euro gewährt. Sie seien damals davon ausgegangen, dass der Verband das Geld nicht würde zurückzahlen können und dass das Darlehen zum Ende der Legislaturperiode in eine Spende umgewandelt werden sollte.

Mit dem Geld sollten die Wahlkampfkosten bestritten werden, wie auch Wolbergs selbst am Freitag sagte. Sein Fehler sei es gewesen, so der 48-Jährige, dass er es versäumt habe, den SPD-Landesverband ordnungsgemäß über das Darlehen zu informieren. Seine Frau sei Kassiererin beim Ortsverband geworden, weil sie als Bankkauffrau vom Fach gewesen sei und zudem schlichtweg kein anderer diese Funktion habe übernehmen wollen.

Anja Wolbergs unterstrich, dass ihr Mann nicht auf persönliche Vorteile aus sei und sich nicht viel aus Geld mache. In der Familie sei sie hauptsächlich für die Finanzen zuständig gewesen. Ihr Mann sei ein hilfsbereiter Mensch, ohne dabei auf die Öffentlichkeit bedacht zu sein. Das Amt des Oberbürgermeisters habe er mit großer Begeisterung ausgefüllt.

Die Ermittlungen und die Untersuchungshaft sowie die damit einhergehenden Belastungen hätten die Familie stark getroffen. Besonders empörend sei gewesen, dass beispielsweise die Kinder auf dem Schulhof von der Verhaftung ihres Vaters erfahren hätten. Nach der Entlassung aus der Haft habe sich ihr Mann zunächst nicht mehr unter Leute getraut und psychologische Hilfe in Anspruch genommen.

Der 48-jährige Kommunalpolitiker war im ersten Verfahren im Juli 2019 in zwei Fällen wegen Vorteilsannahme verurteilt und von sämtlichen weiteren Anklagepunkten freigesprochen worden.

Im zweiten Prozess geht es ebenfalls um Parteispenden von Bauunternehmern im Wahlkampf 2014, mit denen diese Wolbergs nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bestochen haben. Die Vorwürfe lauten auf Bestechlichkeit und Vorteilsannahme beziehungsweise Bestechung und Vorteilsgewährung. Die Angeklagten - neben Wolbergs zwei Bauunternehmer - weisen dies zurück.

Wolbergs tritt bei der kommenden Kommunalwahl im März erneut als OB-Kandidat an. Jedoch nicht mehr für die SPD, aus der ist er im vergangenen Sommer ausgetreten. Er kandidiert für die von ihm mitgegründete Wählergruppe „Brücke“.

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