Winterlicher Start des Schäfflerjahrs

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Deutsche Presse-Agentur

Bei winterlichem Wetter haben am Sonntag auf dem Münchner Marienplatz Hunderte Zuschauer den ersten Tanz des traditionellen Schäfflerjahres verfolgt. Mit dem Auftritt erinnern die Fassmacher alle sieben Jahre an eine Legende aus der Pestzeit. Demnach waren die Schäffler vor mehr als 500 Jahren die ersten, die sich auf die Straßen wagten und dort tanzten, um den verängstigten Menschen Mut zu machen und sie wieder aus den Häusern zu locken.

Nach einem Festgottesdienst des Fachvereins der Schäffler Münchens startete Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den Tanz offiziell. Bis zum Faschingsdienstag sind mehrere Hundert Termine geplant, darunter Auftritte in Schulen, um das Brauchtum dort bekannt zu machen.

Die Truppe besteht aus 20 Tänzern, zwei Reifenschwingern, zwei Kasperln und einem Fähnrich. Die Schäffler tanzen mit grünen Kappen, roten Jacken, einem Lederschurz und schwarzen Kniebundhosen. Allerdings dürfte nur der Schurz mit ihrer früheren Arbeitskleidung zu tun haben. Der Tanz beginnt mit dem bayerischen Defiliermarsch, danach folgen eine Vielzahl an Figuren, zu denen sich die Schäffler teils drehen und Formationen präsentieren. In seiner jetzigen Form stamme der Tanz aus der Biedermeierzeit, sagte der Vorsitzende des Fachvereins, Wilhelm Schmid.

Warum der Tanz nur alle sieben Jahre aufgeführt wird, ist nicht ganz klar. „Wir haben sehr viel geforscht, aber letztendlich wissen wir es nicht“, sagte Schmid. Es gibt aber Vermutungen. Möglicherweise war ein Grund die angebliche Wiederkehr der Pest alle sieben Jahre. Zudem war die Sieben im Mittelalter eine magische Zahl. Grund könnte aber auch eine Anordnung von Herzog Wilhelm IV oder ein Zeitplan der Zünfte für ihre Bräuche gewesen sein.

Früher durften nur echte Fassmacher mittanzen. Im Jahr 1970 öffnete sich der Verein - Nachwuchsmangel hätte sonst womöglich ein Ende des jahrhundertealten Brauchs bedeutet. „Wir haben alles vom Banker bis zum Hausmeister“, sagte Schmid. Von den rund 100 Mitgliedern sei noch eine höhere einstellige Zahl Fassmacher.

Der Tanz soll im Jahr 1517 erstmals stattgefunden haben. Den ersten Beleg für den Schäfflertanz gibt es allerdings erst für das Jahr 1702. Mit der Zeit hielt der Brauch auch im restlichen Bayern Einzug. So tanzen die Schäffler in diesem Jahr nicht nur in München, sondern auch in anderen Orten, vor allem in Oberbayern.

Auch wenn die leibhaftigen Schäffler nur alle sieben Jahre tanzen: Das berühmte Glockenspiel im Turm des Neuen Rathauses in München zeigt den Tanz jeden Tag. Die bunten Figuren drehen sich täglich zu bestimmten Stunden zur Glockenmelodie und zeigen neben Szenen bei der Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen im Jahr 1568 auch den Schäfflertanz.

Schäffler-Tanz

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