Winter ist nicht nur zu warm, sondern auch zu trocken

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Geschädigte Fichtenwälder im Oberallgäu.
Geschädigte Fichtenwälder im Oberallgäu. (Foto: Bund Naturschutz/oh)
Ralf Müller

Allmählich werden Wasserwirtschaftler, Landwirte und besonders die Förster unruhig. Nicht nur, dass der vergangene Dezember und der Januar bislang deutlich zu warm waren, es fiel auch zu wenig Niederschlag.

Etwa 65 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen weisen nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) in Augsburg „niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände“ auf.

Geringe Grundwasserneubildung

In den tieferen Grundwasser-Stockwerken wiesen 84 Prozent der Messstellen auf Niedrigwasser hin, heißt es in dem jüngsten Niedrigwasser-Lagebericht des Amtes.

Bayern hat besonders unter den zu warmen und zu trockenen Jahren 2018 und 2019 gelitten. Das führte zu einer zu geringen Grundwasserneubildung, heißt es beim LfU.

Da der aktuelle Winter bislang ebenfalls zu trocken ausfiel, sei die in dieser Jahreszeit übliche Auffüllung der Grundwasservorräte ausgeblieben.

Für die Landwirtschaft ist die Lage nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums noch nicht dramatisch. Bis zu einer Tiefe von 25 Zentimeter seien die Böden mit Wasser gesättigt, so ein Ministeriumssprecher. Es gebe ausreichend Wasser für die derzeitigen Kulturen – vor allem Wintergerste.

Der Wald leidet besonders

Weiter anhaltender Trockenheit könnte die Landwirtschaft noch durch den Anbau von trockenheitsresistenten Früchten wie Hirse, Hafer und Linsen begegnen.

Die Prognosen für den Wald aber sind schon jetzt düster. Bereits im vergangenen Sommer diagnostizierte der Bund Naturschutz ein „Waldsterben 2.0“ und prophezeite das Aussterben von Kiefern und Fichten.

Der Prozess würde sich beschleunigen, sollte das Frühjahr nicht – zum Leidwesen der Ausflügler, aber zum Glück für die Natur – kräftig verregnet werden. Obwohl Wettervorhersagen, die über einen Zeitraum von einer Woche hinausgehen, als überaus gewagt bis unseriös gelten, hängen sich manche Meteorologen weit aus dem Fenster.

Dominik Jung von Wetter.net verwies unlängst auf die „Schockprognose“ von europäischen und US-amerikanischen Wetterdiensten, die übereinstimmend ein um drei bis vier Grad über dem Durchschnitt liegendes Frühjahr mit wenig Niederschlägen vorhersagen.

April könnte sommerlich werden

Demnach könnten die Temperaturen bereits im April über 25 Grad steigen. Das würde dann auch die Waldbrandgefahr wieder enorm erhöhen.

Eher selten verfügen Bayerns Landwirte über Versicherungen gegen Dürre. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hat daher eine Bundesratsinitiative zur Einführung einer „Mehrgefahrenversicherung“ gestartet. Die Versicherungsprämien für die meist großflächig auftretenden Schäden seien sehr hoch, sagte die Ministerin.

Eine Mehrgefahrenversicherung, die in vielen anderen Ländern bereits existiere, könne Abhilfe schaffen. Dabei übernehme der Landwirt die Hälfte der Versicherungskosten, der Bund 30 und das Land 20 Prozent der Versicherungsprämie.

Zudem drängt Bayern auf eine bundesweite Harmonisierung der Versicherungsprämie. Für Versicherungen gegen Dürre solle ein ermäßigter Steuersatz von 0,03 Prozent bei den Risiken Hagel, Sturm, Starkregen und Überschwemmung gelten. Bisher unterliegen die Dürre-Versicherungsprämien einem Steuersatz von 19 Prozent.

Wenn Händewaschen zum Luxus wird
Dass die Dürre diesen Sommer extreme Auswirkungen hat ist nichts Neues. Was sie aber für ein Rentnerpaar aus Baien für Folgen hat ist einfach nur Absurd.
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