„Was erlaube Draghi?“: Volksbanken verärgert über EZB

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Mario Draghi
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. (Foto: Arne Dedert/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Bayerns Volks- und Raiffeisenbanken laufen Sturm gegen die geplante kollektive Haftung der europäischen Banken für faule Kredite. Eine gemeinschaftliche Haftung wäre das „Abwälzen nationaler Probleme auf deutsche und bayerische Banken und Sparer“, sagte Jürgen Gros, Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands, am Mittwoch in München. „Das erzürnt uns in unserer Gruppe ungemein.“ In den Bilanzen der europäischen Banken schlummerten nach wie vor faule Kredite in Höhe von einer Billion Euro, großenteils in Italien, Zypern, Griechenland und Portugal.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Montag bei einem Treffen der EU-Finanzminister vorgeschlagen, mit den Vorbereitungen für eine gemeinsame europäische Einlagensicherung zu beginnen. „Was erlaube Draghi?“, sagte Gros in Anspielung auf das bekannte Zitat des früheren FC Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni.

Die Volks- und Raiffeisenbanken sind zwar einzeln klein, spielen als Gruppe aber eine gewichtige Rolle im deutschen Finanzwesen. In Bayern stieg die Bilanzsumme der 244 Mitgliedsbanken im Genossenschaftsverband 2017 um 4,3 Prozent auf 160,1 Milliarden Euro. Bei den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken seien nur 0,4 Prozent der Darlehen „leistungsgestört“, sagte Gros - das ist der Fachbegriff für einen faulen Kredit, den der Kunde gar nicht mehr oder sehr verspätet abstottert.

Im europäischen Schnitt seien 4,6 Prozent der Kredite betroffen. Der Genossenschaftsverband fordert daher in einem Forderungskatalog unter anderem, dass sich EU-Kommission und EZB auf eine Bereinigung der Bankbilanzen konzentrieren sollen.

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