Wölfe: Baden-Württemberg wähnt sich gut vorbereitet

Lesedauer: 3 Min
ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Wolf steht am 29.10.2015 in einem Gehege. Zum mittlerweile neunten Mal seit 2009 ist in Nordrhein-We
ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Wolf steht am 29.10.2015 in einem Gehege. Zum mittlerweile neunten Mal seit 2009 ist in Nordrhein-Westfalen ein Wolf nachgewiesen worden. Nach einer Expertenanalyse steht nun fest, dass ein Wolf am 30. März in Borchen im Kr (Foto: Julian Stratenschulte)
Schwäbische Zeitung

Wie sich die Sätze gleichen: „Wir begrüßen den Wolf in Baden-Württemberg“, kommentiert der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk die Sichtung eines wolfsähnlichen Tieres in der Baar. Dass es sich um einen Wolf handelt, da ist sich der CDU-Politiker sicher – und auch, dass das Land darauf vorbereitet sei.

In Niedersachsen endete solche Begeisterung eben erst mit dem Tod eines Wolfs mit dem Spitznamen Kurti. Umweltminister Stefan Wenzel ließ das Tier erschießen, nachdem alle Versuche gescheitert waren, Kurti von Menschen und ihren Siedlungen fernzuhalten. Sogar aus Schweden wurden Experten eingeflogen, um den Wolf zu vergrämen – wie vor zehn Jahren die finnischen Bärenjäger, die der bayerischen Staatsregierung helfen sollten, den Bären Bruno in den Griff zu bekommen.

Während Brunos Abstammung bis heute umstritten ist, besteht beim Schwarzwald-Wolf die Hoffnung, dass er tatsächlich aus natürlich aufgewachsenen Beständen in den schweizerischen und italienischen Alpen stammt. Wie zwei Wölfe, die im vergangenen Jahr auf Autobahnen bei Lahr und bei Merk-lingen tödlich überfahren wurden.

Solche Alpen-Wölfe sind deutlich kleiner als ihre nordeuropäischen Artgenossen. Sie erreichen nur selten ein Körpergewicht von mehr als 35 Kilogramm. Aus Russland zugewanderte Wölfe, wie sie im nördlicheren Deutschland und auch in der Lausitz vorkommen, werden bis zu 80 Kilogramm schwer.

In der Schweiz wird derweil eine Lockerung des strengen Artenschutzes diskutiert. In Schweden, wo eine Parlamentsmehrheit für kontrollierte Wolfsabschüsse gestimmt hat, gibt es alle Jahre vor Beginn der Jagdsaison Gerichtsprozesse um deren Zulässigkeit.

Minister Hauk hat die Verbände der baden-württembergischen Nutztierhalter bereits in der vergangenen Woche über den Baar-Wolf informiert, der bisher nur anhand von Fotos als solcher identifiziert wurde. Die Stuttgarter Landesregierung fühlt sich gut vorbereitet. Es gibt einen „Handlungsleitfaden Wolf“ und das Projekt „Erarbeitung von Herdenschutzmaßnahmen in der Weidetierhaltung" des Landesschafzuchtverbandes sowie ein „Regionales Forum zum Umgang mit Großraubtieren auf der Schwäbischen Alb“. Hauk: „Wir haben daher die Anliegen der Tierhalter im Blick und fördern Herdenschutz-Projekte mit dem Ziel, eine Co-Existenz von Wolf und Nutztieren zu ermöglichen.“ (mile)

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen