Vorarlberger Seilbahn soll Straßen entlasten

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Die Simulation zeigt die geplante Hochbahnstation am Dornbirner Bahnhof. Von hier sollen die Gondeln im Minutentakt losfahren.
Die Simulation zeigt die geplante Hochbahnstation am Dornbirner Bahnhof. Von hier sollen die Gondeln im Minutentakt losfahren. (Foto: Kairos/Doppelmayr)
Schwäbische Zeitung

Das Seilbahnprojekt zwischen dem Vorarlberger Rheintal und dem Bregenzer Wald wird vorangetrieben. Es soll den öffentlichen Nahverkehr ergänzen. Elf Kilometer müssten überbrückt werden. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg hat am Montag in ihrem Sitz in Lustenau eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Die Landesregierung möchte sich inzwischen im Rahmen ihrer künftigen Verkehrsstrategie mit dem Projekt beschäftigen.

„Es handelt sich hier wirklich nicht um einen PR-Gag“, betont Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung, ausdrücklich. Vor mehr als einem Jahr war die Organisation erstmals mit der Idee an die Öffentlichkeit getreten. Seinerzeit wurde sie durchaus von vielen als ein Haschen nach Aufmerksamkeit abgetan – zumal die in Vorarlberg heimische Firma Doppelmayr involviert ist.

Das Unternehmen gilt als globaler Marktführer im Seilbahnbau. In jüngerer Vergangenheit hat es sich außerdem als Konstrukteur sogenannter urbaner Seilbahnen hervorgetan – etwa in Südamerika. Bekanntestes Beispiel sind mehrere Seilbahnlinien in der bolivianischen Hochgebirgsstadt La Paz. Deshalb lag die Spekulation nahe, ob es Doppelmayr womöglich mit einem einheimischen Projekt nur um einigen öffentlichen Wirbel gehen würde.

Teurer Tunnel

Die nun fertiggestellte Machbarkeitsstudie soll aber die Ernsthaftigkeit des Projekts unterstreichen. Offiziell nennt es sich „Wälderbahn“. Der Name erinnert an die frühere, gut 35 Kilometer lange Schmalspur-Eisenbahn von Bregenz bis Bezau. Sie war 1902 in Betrieb gegangen, erwies sich aber am Schluss als nicht mehr wirtschaftlich. 1983 erfolgte die Einstellung. Inzwischen hat jedoch der Verkehr auf der zentralen Bregenzerwaldstraße so zugenommen, dass es in den Stoßzeiten immer öfters zu Staus kommt. Weshalb Verkehrsplaner bereits länger über Lösungen nachdenken. So existieren beispielsweise Überlegungen zu einem kilometerlangen Tunnel bei Alberschwende, einer zentralen Engstelle. Die Kosten wären wohl enorm.

Indes feiert Industriellen-Präsident Ohneberg die Seilbahn als zukunftsweisend: „Ein Leuchtturmprojekt.“ Es bedeute eine verkehrsmäßige Vernetzung „nach innen“, also in Vorarlberg. Nach außen biete es Strahlkraft. Damit meint Ohneberg letztlich Werbung für den Industriestandort Vorarlberg.

Konkret sieht das Projekt folgendermaßen aus. Eine Seilbahn führt vom Wälderdorf Bersbuch über eine Bergstation auf dem 1463 Meter hohen Hochälpele an den Stadtrand von Dornbirn – und zwar dort, wo bereits die Talstation der Karrenseilbahn ist. An diesem Punkt kommen die Kabinen auf eine Art Hochbahngleis. Dieses endet am Dornbirner Bahnhof. Jede Minute fährt eine Gondel für 28 Personen ab. Die Fahrtzeit soll bei 20 Minuten liegen. Kostenpunkt des Projekts: eine niedrige dreistellige Millionensumme, meint Ohneberg.

Gondeln sollen entlasten

Samuel Greber, Verfasser der Machbarkeitsstudie, hält diese neue Wälderbahn für wirtschaftlich. Außer für Pendler wäre sie auch für den Tourismus interessant, glaubt er. Mountainbiker, Wanderer, Skifahrer oder einfach Ausflügler hat er dabei im Blick. Desweiteren, so Greber, könne überlegt werden, ob es nicht auch Lasten-Gondeln zum Gütertransport geben solle. Das Projekt bedeute ein spürbare Entlastung für verkehrsgeplagte Gemeinden im Bregenzer Wald. Sie liege bei rund 270 000 Pendlern pro Jahr.

Als „Glücksfall für Vorarlberg“ bezeichnete Sebastian Kummer das Projekt. Der Deutsche ist Leiter des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er hat im Auftrag der Industriellenvereinigung die Machbarkeitsstudie überprüft. Kummer meint, das Projekt könne zu einem weiteren Gedeihen der Vorarlberger Wirtschaft beitragen. Laut seinen Worten wäre die neue Wälderbahn ein ausgesprochen „umweltfreundlicher Verkehrsträger“.

Wobei die Machbarkeitsstudie durchaus darauf verweist, dass der Bau Eingriffe in die Umwelt bedeute – wenn auch nur geringe, wie es heißt. Eine genaue Trassenführung gibt es noch nicht. Berührt sein werden aber Bergwald, Almwiesen und alpine Feuchtgebiete. Um möglichen Öko-Protesten vorzubeugen, möchte die Industriellenvereinigung rasch „in einen Beteiligungsprozess“ kommen. Dies wäre zudem ein weiterer Schritt hin zu einer tatsächlichen Realisierung des Projekts. Grundbesitzer im Bereich der möglichen Trasse haben sich bereits offen für den Seilbahnbau gezeigt.

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