Umwelthilfe und Grüne in Bayern machen mobil gegen große SUV

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Der neue X7 auf einer Messe
Groß, größer, am größten: BMW Concept X7 iPerformance. (Foto: dpa)
Ralf Müller

Alles andere als umwelt- und klimapolitisch korrekt gestaltet sich zur Zeit das Kaufverhalten der Autofahrer. Erst kürzlich teilte der Münchener Autobauer BMW mit, dass man das große Geschäft dieser Tage mit den sogenannten SUV (Sport Utility Vehicles) mache. Im vergangenen Juli lieferten die BMW-X-SUV 45,9 Prozent des Gesamtumsatzes der Marke.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), verantwortlich für die Diesel-Fahrverbote in den Städten, macht jetzt gegen die großen und schweren Pkw mobil. Die deutschen Hersteller, so DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch, leisteten sich einen absurden Wettbewerb „um den größten und längsten Monster-SUV“. Tatsächlich haben in den letzten Jahren die süddeutschen Premium-Hersteller sogar noch aufgerüstet.

Allen Diskussionen um den Kohlendioxidausstoß und die Enge in deutschen Städten zum Trotz stellte Audi den Q8 („Gute Figur ob im Großstadtdschungel oder in der Natur“) und BMW den X7 („Ein Statement der Luxusklasse“) auf die dicken Räder. Mercedes hält mit seinem ähnlich üppig dimensionierten GL dagegen. Insbesondere in den USA und China sei die Nachfrage an den automobilen Dickschiffen deutscher Provenienz enorm, so die Konzerne.

In Stuttgart war 2018 jedes vierte neu zugelassene Auto ein SUV, Tendenz seit Jahren steigend. 35 000 dieser Pkw fahren laut „Stuttgarter Nachrichten“ durch die Landeshauptstadt. 40 Prozent davon seien auf Firmen und nicht auf Privatleute zugelassen. Kabarettist Gerhard Polt macht sich seit Längerem darüber lustig, dass die Kinder heute von der Mutter „im Suff (SUV)“ zur Schule und wieder zurückgekarrt würden.

Schon vor zwei Jahren dachten der grüne Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek und der Münchener Stadtrat Florian Roth über Strafmaßnahmen gegen die SUV auf den Straßen der bayerischen Landeshauptstadt nach. Etwa über Einfahrverbote für Fahrzeuge mit besonders lauten Motoren oder eine Verweigerung von Anwohner-Parkausweisen für die Prestige-Vehikel.

„Spritschlucker deutlich stärker besteuern“

Jetzt fordert der Bundestagsabgeordnete Janecek, solche „Spritschlucker deutlich stärker zu besteuern und Käufer von Elektroautos im Gegenzug zu entlasten“. Fahrzeuge, welche die jährlichen Kohlendioxid-Grenzwerte der EU erheblich überschreiten, sollten zudem nicht mehr als Dienstagen steuerlich absetzbar sein.

Die hohe Quote der SUV sei besonders auch in München sehr problematisch, sagt der Grünen-Stadtrat Florian Roth, räumt aber ein, dass es „wohl schwierig wäre, einen bestimmten Autotyp in Städten gar nicht mehr zuzulassen“. Stattdessen könnte man sich vorstellen, die Autos nach Größe und Abgasen verschieden zu belasten. Für Roth kämen höhere Gebühren für temporäres Parken und höhere Jahresbeiträge für einen Anwohnerparkausweis in Frage.

„Manche Autos sind einfach zu fett für unsere Städte. Sie stehlen dem öffentlichen Raum die Lebensqualität und verpesten das Klima“, schimpft der Vorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann Die Mobilitätspolitik für die Ballungsräume müsse vor allem mehr Platz für breite und sichere Fahrradwege schaffen.

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