Studie: 30 Prozent Öko-Landbau „kein Spaziergang“

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Das im neuen Naturschutzgesetz festgeschriebene Ziel von 30 Prozent Biolandbau bis 2030 ist laut einer Studie im Auftrag der Landtags-Grünen nur mit besseren Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen zu erreichen. Wenn keine gezielten Maßnahmen ergriffen würden, käme man voraussichtlich nur bei etwa 15 Prozent an, sagte Burkhard Schaer vom Marktforschungsunternehmen Ecozept, das mit dem auf Biolandbau spezialisierten Forschungsinstitut Fibl Projekte eine Machbarkeitsstudie erstellt hatte. „Das wird kein Spaziergang, das ist keine Sache, die von selber läuft.“

Viele Bauern seien zur Umstellung bereit, bräuchten aber verlässliche Strukturen, hieß es. Deshalb müssten auch Abnehmer bei der Umstellung unterstützt werden, etwa Kantinen oder Schulen. Es brauche ein klares politisches Bekenntnis zu Bio und eine Stärkung der Wertschöpfungsketten vom Hof bis zum Verbraucher.

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann und die agrarpolitische Sprecherin Gisela Sengl zeigten sich dennoch zuversichtlich. In Baden-Württemberg würden schon 14 Prozent der Fläche ökologisch bewirtschaftet, im Saarland seien es 16 Prozent und in Österreich 23,9 Prozent, sagte Hartmann. „Das zeigt ganz deutlich, dass das Ziel realistisch gesetzt worden ist.“ Der Ökomarkt sei grundsätzlich sehr stabil. Bayern könne sich aber bisher bei keinem Ökolebensmittel zu hundert Prozent selbst versorgen.

Sengl verlangte, Bio und regional müssten zusammen gedacht werden. Wie sich an den Tierquälerei-Vorwürfen gegen einen Milchviehbetrieb im Allgäu zeige, bedeute regional keineswegs ökologisch und tiergerecht. Dringend nötig sei auch die Erhebung von Zahlen zum Biomarkt in Bayern. Am Agrarministerium müsse ferner ein Referat Ökolandbau und an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ein eigenes Institut hierfür geschaffen werden. Viele Bauern seien zur Umstellung bereit. „Aber sie haben Angst davor, wenn der Markt sich nicht weiterentwickelt“, sagte Sengl. Bei der Außerhausverpflegung sie bisher nur ein Prozent Bio - da sei noch viel Luft nach oben.

Auch der Landeschef des Bund Naturschutz, Richard Mergner, verlangte, den Anteil regionaler Biolebensmittel in staatlichen Kantinen, kommunalen Krankenhäusern, Schulen und Kitas drastisch zu erhöhen. Der Vorsitzende der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ), Hubert Heigl, sagte, um die Nachfrage anzukurbeln, müsse die Öffentlichkeit besser über Bio-Lebensmittel und deren Beitrag zu einem nachhaltigen Lebensstil informiert werden.

Derzeit werden in Bayern nach Angaben von Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) elf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet, rund 350 000 Hektar Land. Es gibt mehr als 10 000 Biobetriebe, damit wirtschaftet jeder zehnte Bauer ökologisch.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen