SPD-Einbruch in Großstädten: CSU verliert, Grüne legen zu

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Ein Wahlplakat der SPD hängt an einem Straßenrand
Ein halb heruntergerissenes Wahlplakat der SPD hängt an einem Straßenrand. (Foto: Sven Hoppe / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Bittere Einbußen für die SPD, immer noch teils große Verluste für die CSU und Jubel bei Grünen und Freien Wählern: Die fortschreitende Auszählung der Kommunalwahlergebnisse für Bayerns Städte und Landkreise zeigt ein klarer werdendes Bild über Gewinner und Verlierer des vom Kampf gegen das Coronavirus geprägten Urnenganges.

Obwohl die SPD die meisten ihrer Oberbürgermeister-Ämter in den großen Städten halten können wird oder zumindest in die Stichwahl gelangte, sind die Verluste für die Sozialdemokraten bei Stimmen und Mandaten im Vergleich zu 2014 enorm. Nach 52 von 96 eingegangenen Endergebnissen meldete das Statistische Landesamt am Dienstag Verluste von 6,4 Prozentpunkten für die Sozialdemokraten auf nur noch 13,3 Prozent. Nach Lage der Dinge gehen der SPD in den Stadt- und Kreisräten Hunderte Mandate verloren.

Für die CSU ging es um 5,9 Prozentpunkte nach unten. Die Konservativen landen im Schnitt aller Kreise und kreisfreien Städte bei 35,6 Prozent und sind damit nach wie vor weitaus stärkste politische Kraft in den Kreistagen und Stadträten. In keinem der größeren Stadträte oder Kreistage kann die CSU aber auf eine absolute Mehrheit bauen. In Bamberg verlor die CSU erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Stadtratsmehrheit - dort sind nun die Grünen erstmals stärkste Kraft.

Großer Gewinner sind auf Stadtratsebene die Grünen. Die Umweltpartei konnte in vielen Kommunalvertretungen, etwa in Schweinfurt oder Nürnberg, ihre Stimmanteile und auch die Zahl ihrer Mandate verdoppeln. In der Landeshauptstadt München werden die Grünen ebenso stärkste Kraft wie in Würzburg, Bamberg und mehreren weiteren Städten. Bayernweit legten sie um 5,9 Prozentpunkte zu. Allerdings: Den Grünen gelingt bei der Personenwahl kein Durchbruch. Bis auf Landrat Jens Marco Scherf im unterfränkischen Miltenberg holen sie zunächst keinen Oberbürgermeister- oder Landratsposten. Auch für die Stichwahl in knapp zwei Wochen sieht es dafür nicht besonders vielsprechend aus.

Auch die Freien Wähler können deutliche Gewinne von über sieben Prozentpunkten verbuchen, allerdings eher in den ländlichen Gebieten. Landesweit kommen sie in den Kreisen und kreisfreien Städten auf elf Prozent der Stimmen - und legen damit kräftig zu. In den Großstädten spielt die Partei von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger allerdings eine untergeordnete Rolle.

In München, wo Oberbürgermeister Dieter Reiter eine Wiederwahl kaum zu nehmen sein dürfte, büßt die SPD im Stadtrat rund neun Prozent der Stimmen im Vergleich zu 2014 ein. Stärkste Kraft werden in der Landeshauptstadt die Grünen, die mehr als zwölf Prozentpunkte zulegen und auf fast 30 Prozent kommen. Die CSU verliert ebenfalls klar an Boden und kommt auf 24,7 Prozent der Stimmen (-7,6 Punkte). Die Angaben des Münchner Wahlamtes basieren auf der Auszählung in 1163 von 1274 Stimmbezirken in der Landeshauptstadt.

Ähnliche Tendenzen werden aus Städten wie Würzburg, Regensburg und Augsburg gemeldet. In der zweitgrößten bayerischen Stadt Nürnberg deutet sich ein noch gravierender Stimmenverlust der SPD an. Die Sozialdemokraten kommen dort nach vorläufigen Ergebnissen auf 26,1 Prozent - das wäre ein Minus von rund 18 Prozentpunkten im Vergleich zu 2014. Die CSU legt leicht um zwei Punkte auf rund 31 Prozent zu. Die Grünen können ihren Stimmenanteil in Nürnberg auf über 19 Prozent mehr als verdoppeln. Die Auszählung ist in Nürnberg auf Grund von Technikproblemen stark verzögert und wird nach Angaben des Wahlamtes nicht mehr am Dienstag beendet.

Enttäuschend verliefen die Kommunalwahlen für die Rechtspopulisten von der AfD. Zwar konnten einzelne AfD-Bewerber den Einzug in Kommunalvertretungen schaffen. Insgesamt blieb die Partei jedoch weitgehend bedeutungslos - abgesehen von ihrer Hochburg Schweinfurt, wo sie 8,2 Prozent der Stimmen schaffte.

Zahlen Statistisches Landesamt

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