So kämpfen Städte gegen das Insektensterben

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Thomas Fuhrmann, Gärtnermeister im städtischen Grünflächenamt, prüft den Zustand der Bepflanzung auf dem Balkon des Fürther Rath
Thomas Fuhrmann, Gärtnermeister im städtischen Grünflächenamt, prüft den Zustand der Bepflanzung auf dem Balkon des Fürther Rathauses. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Philipp Demling

Der Balkon des Fürther Rathauses soll ein Paradies für Insekten werden. Die mittelfränkische Stadt hat deshalb die klassischen Geranien verbannt. Bei der Bepflanzung des Rathausbalkons setzt die Verwaltung auf Gewächse, die Bienen, Schmetterlingen und weiteren Fluginsekten Nahrung bieten.

Süßkartoffeln, Zinnien, Salbei, Prachtkerzen und Basilikum zählt Thomas Fuhrmann vom städtischen Grünflächenamt unter anderem auf – eine bunte Mischung ohne Geranien. Diese werden gerne in Blumenkästen auf Balkons gepflanzt, sind aber bei Insekten unbeliebt: Mücken, Schmetterlinge und Fliegen mögen den Geruch nicht.

Wo wir früher dreimal im Jahr gemäht haben, machen wir es jetzt nur einmal.

Thomas Fuhrmann, Grünflächenamt Fürth

Die Stadt Fürth setzt auch in Parks, Kreisverkehren und auf Mittelstreifen verstärkt auf Staudengewächse mit langer Blühzeit. „Und wir mähen seltener“, sagt Fuhrmann. „Wo wir früher dreimal im Jahr gemäht haben, machen wir es jetzt nur einmal.“

Vorbild für die Umgestaltung in Fürth war München: Von den Balkonen des Rathauses am Marienplatz entfernte man die Geranien schon 2019, wie es aus dem Münchner Baureferat heißt. Auch auf städtischen Schmuckbeeten würden insektenfreundliche Blumen angepflanzt, Langgrasflächen mit artenreichem Wildblumen- und Kräutersaatgut angereichert. Seit 2017 seien so 18 200 Quadratmeter aufgewertet worden.

Selbst in Garmisch-Partenkirchen gilt die Geranie, obwohl als typisch oberbayerische Balkonpflanze bekannt, nicht mehr als Nonplusultra. Stattdessen setze man bei Schmuckbeeten, Kübeln und Balkonkästen zusehends auf Stauden, Rosen und einjährige Dauerblüher, sagt Ute Leitner aus dem Bürgermeisterbüro: „Mittlerweile wird von den Züchtern auch verstärkt darauf geachtet, dass diese für Insekten interessant sind.“

Schon seit 1994 verzichte die Marktgemeinde auf Unkrautvernichter. 2019 sei im Garmischer Kurpark eine neue Streuobstwiese angelegt und ein Insektenhotel errichtet worden. Der Bezirk Oberbayern habe Garmisch-Partenkirchen als „bienenfreundliche Gemeinde“ ausgezeichnet.

Insektensterben gefährdet Störche

Die Brutzeit der Störche ist gerade in vollem Gange. Besonders viele Störche mit ihren Jungen kann man in der Storchenstation am Affenberg in Salem beobachten. 43 Brutpaare leben hier. Doch extreme Wetterlagen wie der Frost im April und das Insektensterben machen der Storchenpopulation in Baden-Württemberg zu schaffen.

Auch in Nürnberg spiele Biodiversität eine wichtige Rolle, sagt André Winkel vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum: „Bei Neuanlagen von Wiesen achten wir darauf, insektenfreundliche Gewächse anzupflanzen.“ Ein Beispiel seien die Sandgrasnelken im Marienbergpark im Norden Nürnbergs. In einem Park auf dem früheren Quelle-Gelände in der Weststadt können die Bürger Obstbaumpatenschaften übernehmen. „Wir pflanzen dort viele alte Obstsorten an, die typisch für unsere Region sind“, sagt Winkel.

In Augsburg werden in vielen Parks dauerhafte Staudengewächse angepflanzt. „Der Botanische Garten setzt sehr stark auf insektenfreundliche Arten“, sagt Reiner Erben, städtischer Referent für Nachhaltigkeit, Umwelt, Klima und Gesundheit. „Allerdings stellt er sich auch seiner Funktion als Schaugarten und hat Bereiche, in denen der Fokus auf anderen Belangen liegt.“

Innerstädtische Pflanzkübel und Balkonkästen, so Reiner Erben, würden in der Regel mit Blühpflanzen bestückt, die auch für Insekten nutzbar seien. Allerdings müssten Bäume und Sträucher in der Stadt oft sehr schwierigen Bedingungen wie Hitze, Wassermangel oder Streusalz trotzen. Deshalb könne Insektenfreundlichkeit nicht immer Vorrang haben.

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