Skischaukel am Riedberger Horn wird nicht gebaut

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Markus Söder (CSU)
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. (Foto: Lino Mirgeler / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den geplanten Verbindungslift am Riedberger Horn auf Eis gelegt. „Auf die Skischaukel wird verzichtet für mindestens zehn Jahre“, sagte Söder am Freitag in München. Zuvor hatte er mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein und dem Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) über das überraschende Aus des umstrittenen Projekts beraten.

Stattdessen soll nun für rund 20 Millionen Euro ein neues, naturnahes Tourismuskonzept in der Region umgesetzt werden. „Unser Ziel war es, wieder Ruhe und Frieden am Riedberger Horn zu schaffen“, sagte Söder. Die strukturell schwache Region solle neue Möglichkeiten erhalten, um sich weiterzuentwickeln.

Der geplante Bau der Skischaukel war von Umweltschützern und anderen politischen Parteien massiv kritisiert worden. Die großen bayerischen Umweltverbände begrüßten nun die Absage, kündigten aber an, ihre Klage nicht fallenlassen zu wollen. „Es hängt weiter ein Damoklesschwert über dem Riedberger Horn“, sagte der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, in München.

„Was wir wollen, ist eine dauerhafte und rechtsverbindliche Sicherheit“, ergänzte der Landesvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz, Norbert Schäffer. Die beiden Verbände wollen ihre bereits beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereichte Normenkontrollklage nicht zurücknehmen. Sie verlangen eine komplette Rücknahme der Gesetzesänderung. Dies lehnt Söder aber ab: „Was beschlossen wurde, das bleibt jetzt auch so.“ Er gehe nicht davon aus, dass die Klage erfolgreich sei; für die Ausgestaltung des Alpenplans sei einzig der Landtag zuständig.

Das neue Konzept für das Riedberger Horn sieht jetzt ein „Zentrum Naturerlebnis Alpin“ vor. Zudem soll es mehr Förderungen für den Wintersport geben. Die beiden Orte sollen zu Pilotgemeinden für umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr im Alpenraum werden. Statt mit der Liftanlage sollen Elektrobusse die Skifahrer und Touristen zu den verschiedenen Pisten bringen.

„Politik ist die Kunst des Machbaren“, sagte Landrat Klotz. Daher habe man erkennen müssen, dass die Skischaukel aus emotionalen Gründen nicht umsetzbar gewesen sei. Das neue Projekt werde dem ganzen Oberallgäu helfen. Der Bürgermeister von Balderschwang, Konrad Kienle, betonte, dass nun der Gordische Knoten in der Debatte gelöst sei. Das Paket sei eine gute Alternative, die auch gegenüber den Menschen vor Ort gut vertretbar sei. „Das Riedberger Horn ist jetzt deutschlandweit bekannt, wir wollen, dass es künftig aus positiven Gründen bekannt bleibt“, sagte der Bürgermeister von Obermaiselstein, Peter Stehle.

Im Februar hatte das bayerische Kabinett noch unter Söders Vorgänger Horst Seehofer mit einer Reform des Landesentwicklungsprogramms den Weg für den neuen Skilift freigemacht. Balderschwang und Obermaiselstein wollten damit ihre Skigebiete verbinden, um angesichts der Konkurrenz in Österreich attraktiv zu bleiben. Der Beschluss beinhaltete, 80 Hektar aus der strengsten Alpen-Schutzzone C herauszunehmen und eine Ersatzfläche von 304 Hektar neu dort aufzunehmen.

BN zum Riedberger Horn

LBV zum Riedberger Horn

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