Skigebiet will mit riesigem See künstliche Beschneiung ausbauen

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Der geplante Speichersee würde am linken Bildrand entstehen.
Der geplante Speichersee würde am linken Bildrand entstehen. (Foto: Christiane Pötsch-Ritter)
Schwäbische Zeitung

In der schwarz-grünen Vorarlberger Landesregierung herrscht dicke Luft. Grund dafür sind die Planungen für einen Speichersee. Mit dessen Wasservorrat sollen Teile des Skigebiets Silvretta Montafon vermehrt künstlich beschneit werden. Umweltlandesrat Johannes Rauch (Grüne) stemmt sich gegen das Projekt. Die konservativen Mitglieder der Landesregierung unterstützen es.

Laut Planung sollen bis zu zwölf Millionen Euro investiert werden. Vorgesehen ist ein Speichersee mit der Größe von zwölf Fußballfeldern. Talseitig würde der Schutzdamm die Höhe eines neunstöckigen Hauses erreichen. Viel zu viel für den grünen Umweltlandesrat Rauch: „Dieses überdimensionierte Projekt darf es so nicht geben“, hat er dieser Tage auf einer rasch anberaumten Pressekonferenz betont. Der neue Speichersee soll auf 2100 Metern Höhe entstehen. Er würde das Gebiet der Gemeinden Gaschurn und St. Gallenkirch berühren. Bis vor wenigen Jahren war das dortige Skigebiet als Silvretta Nova bekannt. 2012 wurde aber eine seinerzeit durchaus umstrittene Seilbahn auf der östlichen Talseite gebaut. Sie schaffte eine Verbindung zum benachbarten Skigebiet Schruns/Hochjoch. Die vereinten Wintersportarenen erhielten den Namen Silvretta Montafon. Bergbahnbetreiber wie Hoteliers waren sich seinerzeit einig, dass nur Wachstum in eine stabile finanzielle Zukunft führe. Zeitweise war Silvretta Montafon noch vor Lech am Arlberg das größte Vorarlberger Skigebiet. Doch bereits früher wurde die Schneedecke im weiteren Umfeld des geplanten Speichersees lichter – dort befinden sich Sonnenhänge. So entstand nach Angaben der Montafon-Silvretta-Holding bereits vor vier Jahren die Idee, die künstliche Beschneiung zu verstärken. Der Speicher sei nötig, um über die zunehmend schneearme Vorsaison zu kommen, heißt es. Demnach soll genug Wasser im Teich sein, um innerhalb von 70 Stunden möglichst viel Schnee produzieren zu können.

Diese Skigebiete sind vom Klimawandel bedroht

Umweltlandesrat Rauch spricht mit Blick auf das Projekt von „Naturfrevel“ und beklagt, es werde eine naturbelassene hochalpine Landschaft verbaut. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung, fügt er an, sei leider nicht erforderlich. Das Projekt hätte dafür nicht den notwendigen Umfang. Vorarlberger Umweltschützer erzählen, auch beim Ausbau weiterer Vorarlberger Skigebiete seien die Arbeiten gesplittet oder klein gerechnet worden. So könne diese Prüfung übergangen werden. Zuletzt sei dies bei den Seilbahnneubauten zwischen Zürs und Stuben am Arlberg der Fall gewesen. Die dortigen Seilbahnbetreiber bestritten dies aber. Landeshauptmann Markus Wallner von der konservativen ÖVP hat inzwischen in einer Pressemitteilung betont: Die Landesregierung stehe „hinter dem Montafon“. Skigebiete müssten die Chance haben, für genug Schnee auf den Pisten sorgen zu können. Wallner wirft Rauch vor, „manipulativ informiert“ zu haben.

Peter Marko, Geschäftsführer der Silvretta-Montafon-Holding, wundert sich, weshalb Rauchs Wortmeldung erst jetzt komme. Schließlich würden die Planungen seit vier Jahren laufen. Es habe Info-Veranstaltungen gegeben. Zudem seien 3000 Unterschriften für das Projekt gesammelt worden. Rauch sagt wiederum, es würde hinter verschlossenen Türen verhandelt. Eine österreichische Tageszeitung zitierte dazu Nadine Kasper, die einzige Gemeindevertreterin der Grünen im Montafon. Sie sagt, auch ihr und ihrem Umfeld seien die Pläne unbekannt.

Prinzipiell müssen die Pläne der Silvretta-Montafon-Holding nun noch durch das behördliche Genehmigungsverfahren. Das Unternehmen ist zuversichtlich, 2019 mit dem Bau beginnen zu können.

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