Ski-Projekt im Oberallgäu wackelt

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 Wintersportler am Riedbergpass: Das Skigebiet Grasgehren sollte an
Wintersportler am Riedbergpass: Das Skigebiet Grasgehren sollte an (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Klaus Schlösser

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf lehnt das geplante Skiliftprojekt zwischen den Oberallgäuer Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang ab. Mit einer entsprechenden Äußerung der CSU-Politikerin sei allerdings keine Entscheidung im laufenden Genehmigungsverfahren gefallen, erklärte dazu am Freitag Pressesprecher Stefan Zoller. Dafür sei Finanzminister Markus Söder (CSU) zuständig, zu dessen Ressort auch die Landesplanung in Bayern gehört.

Der geplante Lift am Riedberger Horn soll die bisher getrennten Skigebiete Grasgehren und Balderschwang miteinander verbinden. Das Projekt schlägt deshalb in ganz Bayern so hohe Wellen, weil es in der TabuzoneC des seit über 40Jahren rechtsverbindlichen Alpenplans liegt, der Erschließungsmaßnahmen in diesem sensiblen Bereich generell verbietet. Um die langfristige Existenz als Wintersportorte zu sichern, haben die beiden Oberallgäuer Gemeinden allerdings ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren vom Landesentwicklungsplan beantragt, um zwei vorhandene Skigebiete mit einer Kabinenbahn zu verbinden. Eine solche Ausnahmegenehmigung würde weiteren Begehrlichkeiten zur Aufweichung der Tabuzone C Tür und Tor öffnen, befürchten Kritiker des Projekts.

Der Allgäuer Landtags-Grüne Ulrich Leiner, tourismuspolitischer Sprecher seiner Fraktion, hält die Entscheidung nach der Äußerung der Umweltministerin bereits für gefallen: „Das Abweichen vom Alpenplan und damit vom Schutz der Natur hätte einen Präzedenzfall geschaffen, der nicht nur für die Natur im Allgäu, sondern für den ganzen bayerischen Alpenraum fatal gewesen wäre.“

Die Landtags-SPD weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass nicht nur die Regelung von Schutzgebieten infrage gestellt würde: „Für den Ausbau der Skipisten sollen auch mehrere Hektar Schutzwald gerodet werden. Das verstößt auch gegen den Bergwaldbeschluss des Bayerischen Landtags von 1984.“

Hingegen erklärte Leopold Herz, forstpolitischer Sprecher der Freien Wähler im Landtag aus Wertach im Oberallgäu: „Die Bedenken der SPD bezüglich einer Ausweitung des Skigebiets am Riedberger Horn halte ich für übertrieben. Die Verantwortlichen vor Ort haben sich viele Gedanken gemacht und das Vorhaben gewissenhaft geprüft. Schließlich haben sie sich für eine ‚abgespeckte‘ Variante des Ausbaus entschieden – ganz im Sinne eines maßvoll weiterentwickelten Tourismus im Allgäu, der Fremdenverkehr und Natur gerecht wird. Daher sollten wir das Projekt in seiner jetzt geplanten Form unterstützen.“

Umweltministerin Ulrike Scharf hingegen ist anderer Meinung. Von der Landesplanung im Heimatministerium von Markus Söder zu einer Stellungnahme aufgefordert, habe sie nach einer ersten Prüfung erhebliche Bedenken, so die Politikerin: „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Ich sehe das Projekt kritisch. Die geplante Maßnahme liegt außerhalb der vorhandenen Skigebiete in einem höchst sensiblen Naturraum und weitgehend innerhalb des am stärksten geschützten Alpenplan C. Hier leben viele seltene und zum Teil vom Aussterben bedrohte Arten wie das Birkhuhn.“

Die Alpen seien mit 43000 Tier- und Pflanzenarten in Europa ein einzigartiges Öko-System, so Scharf weiter. Dieser Naturraum brauche besonderen Schutz. Zudem lebe der sanfte Tourismus von der „hochwertigen Natur“. Der bewusste Verzicht auf größere Infrastrukturprojekte könne sich daher langfristig auszahlen. Scharf kündigte an, sich mit Oberallgäuer Lokalpolitikern zu einem Gespräch treffen zu wollen.

Stichwort: Alpenplan

Der „Alpenplan“ gilt seit 1972 in Bayern. Er ist ein Instrument der Raumplanung und soll die Nutzung der Berge reglementieren. Er regelt die Zulässigkeit von Erschließungsbauten wie Bergbahnen, Liften, Skiabfahrten, Straßen und Wegen. 42 Prozent der bayerischen Alpen gehören zur Zone C und sind damit vor solchen Eingriffen geschützt. (sz)

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