Sengl: „Regionale Produkte werden immer stärker nachgefragt“

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Gisela Sengl, bayerische Landtagsabgeordnete der Grünen
Gisela Sengl, bayerische Landtagsabgeordnete der Grünen (Foto: sz)
Schwäbische Zeitung

Landwirtschaft beinhalte unter anderem Heimat, Genuss und Kultur, sagt Gisela Sengl. Sie ist die agrarpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion und kommt von einem Bio-Gemüsehof im Chiemgau. Um einen besseren Überblick über die Landwirtschaft in Bayern zu bekommen, besucht Sengl die verschiedenen Regionen. Kürzlich war sie im Allgäu und am Bodensee gewesen. Offenbar konnte sie positive Eindrücke mitnehmen. Mit ihr sprach Uwe Jauß.

Was haben Sie im Allgäu und am Bodensee festgestellt?

Hier ist ländliche Kultur sehr lebendig. Die einzigartige Kulturlandschaft wird immer noch vielen Bäuerinnen und Bauern erhalten, und damit auch die nachgelagerte Verarbeitung. Beeindruckend ist beispielsweise, wie die Sennerei-Genossenschaft Gunzesried aufgestellt ist. Sie produziert nicht nur gute Qualität, sondern schafft es auch sehr gut, den Käse regional zu vermarkten und den Bauern damit angemessene Erzeugerpreise zu zahlen.

Die regionale Vermarktung liegt doch sowieso im Trend, oder?

Ja, regionale Produkte werden immer stärker nachgefragt. In diesem Zusammenhang ist es auch eine gute Idee, Regionalmarken zu gründen. Verbraucher springen da auf jeden Fall darauf an. Sie sind auch bereit, mehr zu zahlen, wenn sie wissen, dass ihr Geld gut angelegt ist. Im Allgäu bieten sich solche Markengründungen besonders an, weil das Allgäu schon selbst eine starke Marke ist. Dabei ist aber wichtig, dass die Regionalmarke auch wirklichen Mehrwert in verschiedenen Qualitätsstufen bietet: zum Beispiel Heumilch, gentechnikfreie Fütterung, Milch aus Weidehaltung, Milch in Bioqualität.

Gerade dort, wo es bergig ist, tun sich die Bauern aber bereits beim Wirtschaften schwer ...

Natürlich ist das Produkt eines Bergbauern das Ergebnis eines Prozesses, der viel aufwendiger ist als im Flachland. Ich gehe davon aus, dass Bergbauern mindestens 50Cent pro Liter Milch bekommen sollten. Die Mehrarbeit muss gewürdigt werden.

Wie sehen Sie die Gülle-Problematik und Nitratbelastung im Allgäu?

Grünlandregionen wie das Allgäu sind nicht die Problemregionen bei der Nitratbelastung. Die Brennpunkte der Nitratbelastung in Bayern sind woanders. Da sind besonders Gegenden mit einer intensiven Schweinehaltung und intensivem Ackerbau betroffen.

Aber auch hier wird durchaus intensiver gewirtschaftet. Sechs Schnitte sind auf vielen Grünlandflächen inzwischen Standard ...

Für die Artenvielfalt ist dies schlecht. Da findet man am Schluss nicht mal mehr Löwenzahn auf den Wiesen. Ich glaube, wir müssen weg von den ständigen Produktivitätssteigerungen. Eine Milchkuh muss nicht unbedingt 10 000 Liter im Jahr bringen. 6000 bis 7000 Liter tun es auch, wenn der Preis stimmt.

Der Winzer, den Sie in Nonnenhorn besucht haben, scheint sich ja für Qualität statt Masse entschieden zu haben. Wie ist hier Ihr Eindruck?

Der Winzer ist ein junger, engagierter Mann – zudem sehr gut ausgebildet. Mich freut natürlich, dass er auf ökologischer Grundlage produziert. Er ist kreativ und versucht durchaus auch Neues. Offenbar ist sein Wein so gut, dass er mit der Direktvermarktung kein Problem hat.

Zur Person: Die Bioland-Bäuerin und gelernte Landschaftsgärtnerin Gisela Sengl vertritt seit 2013 den Stimmkreis Traunstein im Bayerischen Landtag, seit 2016 ist sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. Außerdem ist die 56-Jäh-rige Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und ländliche Entwicklung ihrer Partei.

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