Schneechaos und kein Ende: Bundesregierung sichert Hilfe zu

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn mehrere Meter Schnee auf Straßen und Dächern lasten, helfen ein, zwei Tage Pause nicht viel. Obwohl am Freitag deutlich weniger Flocken fielen, hält der Ausnahmezustand im Alpenraum an. Tausende Helfer schaufeln am Limit. Die Bundesregierung schaltet sich ein.

  • FESTGEFAHRENER VERKEHR:

Flugzeuge bleiben am Boden, Züge und Autos können nicht fahren. Am Freitag wurden an den Flughäfen München und Frankfurt jeweils rund hundert Flüge gestrichen. Auch der Bahnverkehr blieb auf vielen Strecken Bayerns unterbrochen. In Österreich holte das Bundesheer eine große Schülergruppe aus dem Ruhrgebiet mit zwei Hubschraubern von einer Alm.

Spaziergänger und Sportler durften in Sachsen mehrere Waldgebiete nicht betreten. In der Nacht zuvor mussten auf der Autobahn A8 in der Nähe des Chiemsees zahlreiche Menschen mehrere Stunden bei starkem Schneefall in ihren Autos ausharren. Schneeglätte und ein querstehender Lastwagen brachten den Verkehr zeitweise komplett zum Stillstand.

  • HELFER UNTER HOCHDRUCK:

In fünf bayerischen Landkreisen gilt mittlerweile der Katastrophenfall. Bundeswehr, Technisches Hilfswerk, Bundespolizei und örtliche Einsatzkräfte versuchen vor allem, die Schneemassen auf den Dächern zu bewältigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ am Freitag zusichern, dass die Zahl der Einsatzkräfte notfalls aufgestockt werden könne. „Die Kanzlerin wie auch die gesamte Bundesregierung dankt allen Helferinnen und Helfern in den von den heftigen Schneefällen betroffenen Gebieten für ihren Einsatz“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die verschneiten Regionen am Samstag besuchen.

  • TRAUER UM DIE OPFER:

Merkel drückte außerdem ihre Trauer über den Tod eines neunjährigen Jungen aus, der am Donnerstag in der Nähe von München von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde. Rettungskräfte versuchten vergeblich, das Kind wiederzubeleben. In Österreich starben seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen im Schnee.

  • DROHENDE LAWINEN:

Nachdem am Donnerstag in der Schweiz eine Lawine in ein Hotelrestaurant rollte und mehrere Menschen verletzte, ist die Lawinengefahr in weiten Teilen der bayerischen Alpen Experten zufolge gesunken. Für Freitag stufte der Lawinenwarndienst Bayern in München die Gefahr nur noch für die Berchtesgadener Alpen als groß (Stufe 4) ein, das ist die zweithöchste von fünf Gefahrenstufen. Für den übrigen Alpenraum gelte Warnstufe 3. Auch in weiten Teilen Österreichs ging die Lawinengefahr leicht zurück. In den am stärksten vom enormen Schneefall der vergangenen Tage betroffenen Gebieten galt am Freitag meist die zweithöchste Warnstufe 4, wie die Warndienste mitteilten. Am Donnerstag war vielerorts noch die höchste Lawinenwarnstufe 5 in Kraft gewesen.

Lawinen: Tödliche Gefahr in den Alpen

  • SCHÜLERFREIE SCHULEN:

In vielen Landkreisen in Oberbayern und Schwaben heißt es seit Tagen: schneefrei. Zu gefährlich sei der Schulweg für die Kinder und Jugendlichen, hieß es von den Behörden. An etlichen Schulen fällt auch zu Beginn der neuen Woche der Unterricht aus.

  • MEHR SCHNEE IN SICHT:

In der Nacht zum Sonntag komme eine sehr komplexe Wetterlage auf den Freistaat zu, sagte der Leiter der Regionalen Wetterberatung München des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Guido Wolz, am Freitag. Große Tiefausläufer bringen der Prognose zufolge kräftigen Schneefall in den Alpenraum und den Bayerischen Wald. Derzeit liegen in Höhen von 1500 Metern zwischen anderthalb bis zweieinhalb Metern Schnee. Am Sonntag könne die Schneefallgrenze auf 1200 Meter steigen. Während Sachsen in den Mittelgebirgen zusätzliche 20 Zentimeter Neuschnee erwartet, könnte in den höheren Lagen in Bayern stellenweise mehr als ein Meter Schnee hinzukommen. „Das mag man sich nicht ausmalen, was da noch alles passieren kann“, sagte DWD-Experte Wolz.

Winter in Bayern
Der Schnee brachte auf der A8 von Ulm in Richtung Stuttgart den Verkehr in der Nacht auf Donnerstag zum Erliegen. Der Stau zog sich über 35 Kilometer. Zahlreiche Autofahrer steckten stundenlang fest. Polizei und Rettungskräfte waren im Dauereinsatz. Für eine 54-Jährige Autofahrerin kam allerdings jede Hilfe zu spät.
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