Schüler hoffen auf faire Benotung beim Mathe-Abi

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 37000 junge Erwachsene schreiben im Freistaat derzeit ihre Abiturprüfungen.
37000 junge Erwachsene schreiben im Freistaat derzeit ihre Abiturprüfungen. (Foto: dpa)

Das diesjährige Mathe-Abitur in Bayern hat eine Diskussion über den Schwierigkeitsgrad ausgelöst. Nach den Prüfungen am Freitag haben Schüler eine Petition im Internet gestartet, in der sie fordern, die Kriterien für die Benotung anzupassen. Bis Montag hatten rund 60 000 Unterstützer unterschrieben.

Wie lauteten die Aufgaben?

Sie sind viele Seiten lang und enthalten Grafiken. Inhaltlich ging es im Bereich Analysis, zu dem unter anderem Kurvendiskussionen zählen, beispielsweise um ein Plateau in einem Skatepark und den Wirkstoff eines Medikaments. Im Bereich Geometrie behandelte eine Aufgabe einen Bohrkanal für eine Geothermieanlage. In der Stochastik, der Wahrscheinlichkeitsrechnung, ging es unter anderem eher klassisch um ein Glücksrad und eine Losbude, aber auch etwas abstrakter um zu viele Reservierungen für ein Kreuzfahrtschiff und Lebkuchenherzen.

Haben alle Schüler das gleiche Mathe-Abi geschrieben?

Ziemlich sicher nicht. Benedikt Karl, Sprecher des bayerischen Philologenverbands (bpv), erklärt, dass die Lehrer am Tag der Prüfung morgens je zwei Aufgaben aus den Bereichen Analysis, Geometrie und Stochastik bekommen und durchrechnen können. Daraus wählen sie jeweils eine aus. Dabei achten sie laut Karl auf den Wissensstand ihres Kurses.

Wer stellt die Aufgaben, kalkuliert die benötigte Zeit und legt die Anforderungen für die Benotung fest?

Dafür gibt es nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums eine Kommission, die aus Lehrern besteht, die in der Unterrichtspraxis und in der Erstellung von Abituraufgaben erfahren sind.

Werden die Aufgaben vor den Abiprüfungen überprüft?

Eine Arbeitsgruppe aus dem Ministerium überprüft den Angaben nach die von der Kommission erstellten Aufgaben. Am Tag vor der Prüfung werden die Aufgaben noch einmal im Haus von Fachreferenten für Mathematik überprüft, die die Aufgaben bis dahin nicht kennen.

Wie sind die Mathe-Abinoten in den vergangenen Jahren im Schnitt ausgefallen?

In den vergangenen Jahren lag der Schnitt bei den Mathe-Abinoten in Bayern laut Ministerium um die 3,1. Zum Vergleich: Die Gesamtdurchschnittsnote liegt seit Jahren konstant ungefähr bei 2,3.

Kann man alleine wegen einer Sechs in Mathe durchs Abi fallen?

Null Punkte in der schriftlichen Mathematikprüfung führen laut Kultusministerium nicht dazu, dass die Abiturprüfung nicht bestanden ist. „In diesem Fall besteht die Möglichkeit, im Rahmen einer mündlichen Zusatzprüfung noch auf mindestens ein Ergebnis von 1 Punkt zu kommen.“

Wie schätzen Experten das ein?

Das bayerische Abitur habe sich in den vergangenen rund zehn Jahren stark gewandelt von einer zunächst sehr rechenlastigen Prüfung auf hohem Niveau hin zu einer, die stärker kompetenzorientiert ist, teilte Mathematikprofessor Reinhard Oldenburg von der Uni Augsburg mit. „Der mathematische Anspruch an die technischen Fähigkeiten wurde dabei deutlich reduziert. Im Gegenzug sind die Aufgaben textlastiger geworden und es werden oft mehr oder weniger realistische Kontexte für Aufgaben gegeben.“ Konkret auf das Abitur 2019 bezogen sagte Oldenburg, der auch Mitglied in der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik und der Deutschen Mathematiker-Vereinigung ist: Insbesondere in einem Geometrieteil seien in ungewöhnlich hohem Umfang Argumentationen eingefordert worden. „Das Niveau der Aufgabenstellung ist aber meines Erachtens angemessen und durch den Lehrplan gedeckt.“

Wie geht es nun weiter?

Die rund 37 000 Abiturienten im Freistaat bekommen laut bpv-Sprecher Karl am 31. Mai alle Noten mitgeteilt. Eine Frist, bis wann die Mathe-Noten nach Erstkorrektur des eigenen und Zweitkorrektur eines anderen Lehrers vorliegen müssen, gibt es den Angaben nach nicht.

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