Söder will Bayern-Satelliten ins All schießen

Lesedauer: 5 Min

 Strebt ins All: der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.
Strebt ins All: der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. (Foto: dpa)
Ralf Müller

Als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einem halben Jahr ein bayerisches Raumfahrtprogramm unter dem Namen „Bavaria One“ ankündigte, spottete die Landtagsopposition über den Größenwahn des neuen Regierungschefs. Doch der ließ sich davon nicht beirren. Zwölf Tage vor der Landtagswahl hat sein Kabinett am Dienstag die Raumfahrt-Strategie beschlossen. 700 Millionen Euro sollen in den nächsten zehn Jahren fließen, damit der Freistaat auch im Weltall präsent ist.

Söder seinerseits konterte am Dienstag in München. Wer immer nur auf die Schlaglöcher starre, könnte irgendwann gegen einen Baum laufen, meinte der Regierungschef und erinnerte an Franz Josef Strauß, der für Pläne zu einem Luft- und Raumfahrtkonzern ebenfalls Unverständnis erntete. Tatsächlich habe seine Politik dem Freistaat „extremen wirtschaftlichen Nutzen“ gebracht. Leider, bedauerte Söder, sei Bayern mit seinen Aktivitäten auf diesem Gebiet in den letzten Jahren „etwas ins Hintertreffen“ geraten.

Einer der Schwerpunkte des Raumfahrtprogramms ist die Entwicklung, der Bau und Start eines Erdbeobachtungssatelliten namens „BayernSat“. Dieses sei ein Gemeinschaftsvorhaben von Industrie, Hochschulen und außeruniversitärer Forschung, kündigte Söder an. Noch innerhalb der nächsten Legislaturperiode des Landtags, die 2023 endet, soll „BayernSat“ den Freistaat von oben betrachten. Er soll beispielsweise Daten zur Ausbringung von Dünger und Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen liefern.

Der Ex-Astronaut und Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München (TUM), Ulrich Walter, hatte die Mitglieder des bayerischen Kabinetts auf dessen Sitzung am Dienstag mit seiner Raumfahrtbegeisterung angesteckt. Schon bald, so Walter, könnten zum Beispiel bayerische Schüler die Kammer ihres Satelliten vom Klassenzimmer aus steuern. Der sonst eher nüchterne Finanzminister Albert Füracker (CSU) habe sich bei Walter bereits erkundigt, wann das „Beamen“ die mühsamen Reisen mit dem Dienstwagen ablösen könnte, scherzte Söder.

Zum Projekt „Bavaria One“ gehört auch eine 400 Meter lange „Hyperloop“-Teststrecke in Ottobrunn bei München. Eine TUM-Expertengruppe unter Walters Leitung hat dafür ein Forschungsprojekt für diese Technologie ausgearbeitet. Dabei sollen Transportkapseln in nahezu luftleeren Röhren Personen und Güter mit bis zu Schallgeschwindigkeit und geringem Energieaufwand befördern.

Aiwanger nennt Söder „Mister Spock“

Schaltzentrale für diesee Aktivitäten soll der Ludwig-Bölkow-Campus der TUM in Ottobrunn werden. An der Universität wurde eine neue Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie gegründet. Diese Fakultät soll 132 neue Stellen erhalten, darunter 30 zusätzliche Professuren. 30 Millionen Euro will der Freistaat pro Jahr in die neue Fakultät investieren, die dann, so Söder, die größte ihrer Art sein werde. Vernetzt werden soll die Fakultät mit dem traditionsreichen bayerischen Raumfahrtstandort Oberpfaffenhofen ebenfalls in der Nähe von München. Als „Raumfahrtkoordinator“ soll Landeswirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) das Projekt „Bavaria One“ vorantreiben.

Wer stets nur Gegenwartsbetrachtung betreibe, verzichte auf viele Optionen, warb Söder für den Hightech-Aufschlag. Wer jedoch in die Zukunft blicke, habe bessere Chancen, diese zu gestalten, zu kontrollieren und auch sicherer zu machen. Den Vorsitzenden der Freien Wähler im Landtag, Hubert Aiwanger, überzeugte das nicht. Das Raumfahrtprogramm müsste den Namen „Bavarian Größenwahn“ statt „Bavaria One“ tragen, meinte er. Bayern solle erst einmal die naheliegenden technischen Probleme wie Mobilfunklöcher und fehlendes flächendeckendes Internet lösen. Söder sehe sich offenbar „in der Rolle des Mr. Spock und ernennt seinen Wirtschaftsminister allen Ernstes zum ,Raumfahrtkoordinator’. Das ist lachhaft“, so Aiwanger.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen