Söder: Emeritierter Papst lobt Kreuzerlass

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Markus Söder (CSU) wird vom emeritierten Papst Benedikt XVI. empfangen. Rechts Georg Gänswein, Privatsekretär des emeritierten P
Markus Söder (CSU) wird vom emeritierten Papst Benedikt XVI. empfangen. Rechts Georg Gänswein, Privatsekretär des emeritierten Papstes. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Marco Hadem (dpa) und epd

Trotz aller Kritik gilt in Bayern nun der Kreuzerlass. Während die Landesbehörden in der Heimat noch ihre Kreuze anbringen, hat dessen geistiger Vater, Ministerpräsident Markus Söder (CSU), im Vatikan das Gespräch mit Papst Franziskus und dem emeritierten Papst Benedikt XVI. gesucht.

An diesem 1. Juni gibt es wohl keinen passenderen Ort für Markus Söder als den Vatikan. Während im 700 Kilometer entfernten München wie in ganz Bayern der umstrittene Kreuzerlass für (fast) alle Landesbehörden in Kraft tritt, wird dem bayerischen Ministerpräsidenten hier eine besondere Ehre zuteil: eine Privataudienz bei Papst Franziskus im Apostolischen Palast, gefolgt von einem Treffen mit dessen Vorgänger Benedikt XVI.

„Heute Besuch des heiligen Vaters im Vatikan“, schreibt Söder vor der Audienz auf Twitter. Der Satz kann durchaus missinterpretiert werden – und das Netz reagiert ähnlich wie bei der Kreuzdebatte umgehend mit Spott. „Jetzt hält er sich schon für den Papst!“, heißt es etwa oder „Ministerpräsident sind Sie ja Herr Söder, aber nun sind Sie auch noch der Heilige Vater? Das finden wir dann doch etwas übertrieben“.

Söder kümmert das nicht. Als Lutheraner gehört er zwar nicht der römisch-katholischen Kirche an, der Besuch hat für den Franken aber dennoch eine besondere Bedeutung: „Der Papst ist das inoffizielle Sprachrohr der Christenheit“, sagt er. Und als solcher sei er für ein christlich geprägtes Land wie Bayern besonders wichtig. Darüber hinaus – so beteuert Söder – sei der Termin der Reise Zufall, vom Vatikan vorgegeben und habe nichts mit dem Kreuzerlass zu tun.

Franziskus präsentiert sich im Gespräch nach Angaben von Teilnehmern als sehr interessierter und gut informierter Zuhörer. Als Söder ihm das Geschenk, einen großen Präsentkorb mit Köstlichkeiten wie Lebkuchen, Marmelade und Schokoladen aus Bayern übergibt, zeigt er sich erfreut. „Wie, aus Bayern und kein Bier?“, fragt er lachend.

Nach der knapp 35-minütigen Audienz in der Privatbibliothek des Papstes zeigt sich Söder beeindruckt. „Es war ein sehr bewegendes Gespräch“, sagt er. Franziskus habe sich sehr wohlwollend über alle Aktivitäten der Staatsregierung geäußert. Ob der Papst auch über den Kreuzerlass gesprochen hat, will er so konkret nicht sagen.

Bereits vor dem Treffen hatte Söder betont, dass es ihm nicht darum gehe, mit Zustimmung des Heiligen Vaters die vielen Kritiker – darunter namhafte Kirchenvertreter wie der Münchner Kardinal Reinhard Marx – zu übertrumpfen: „Wir haben eine Position, eine klare Haltung und die vertreten wir.“ Er sei sich sicher, dass die Bevölkerung mehrheitlich hinter dem Erlass stehe, der für die Eingänge von Landesbehörden ein Kreuz vorschreibt. Allerdings, das gibt Söder zu, sei er nach wie vor überrascht, mit welcher Wucht der Erlass insbesondere von einigen Kirchenvertretern kritisiert worden sei.

Ungeachtet aller Wellen, die der Kreuzerlass im Freistaat und auch darüber hinaus geschlagen hat, im Zwiegespräch mit Franziskus standen laut Söder andere Themen im Fokus, etwa die EU-Flüchtlingspolitik und die Entwicklungshilfe. Der Ministerpräsident kündigte an, seine Regierung wolle ein Hilfsprogramm für Obdachlose in Großstädten auflegen: „Ein so reiches Land wie wir sollte da mehr machen.“

Auch wenn Söder in den Jahren 2008, 2011 und 2012 bereits an einer Audienz des Papstes teilnehmen durfte, dürfte dieser Besuch ihm dennoch in besonderer Erinnerung bleiben: Denn nach der Privatunterhaltung mit Papst Franziskus konnte er sich im wenige Meter entfernten Kloster Mater Ecclesiae auch noch mit dessen Vorgänger Benedikt XVI. treffen.

Mit dem vor wenigen Wochen 91 Jahre alt gewordenen emeritierten Papst verbindet Söder nach eigenen Worten eine persönliche Beziehung. Dies dürfte an dessen bayerischen Wurzeln und der konservativeren Einstellung gleichermaßen liegen. Benedikt habe ausdrücklich den Kreuzerlass gelobt, versicherte Söder. „Das freut uns, aber wir wollten uns hier auch nicht die Erlaubnis holen.“

Rückendeckung durch Theologen

Auch der vatikanische „Außenminister“, Erzbischof Paul Gallagher, habe Rückendeckung gegeben. Die Mehrheit der Bayern und die Mehrheit der Stimmen aus der Kirche seien ebenfalls positiv ausgefallen. Das Kreuz sei „in erster Linie ein religiöses Symbol“, in Bayern komme ihm jedoch darüber hinaus eine Bedeutung als Zeichen einer in der Verfassung verankerten Identität zu, unterstrich der Ministerpräsident.

In einer „Ökumenischen Erklärung“ stellten sich am Freitag rund 80 Theologen, die in Bayern lehren oder von dort stammen, hinter Söder und den Kreuzerlass. „Wir erklären, dass wir für jedes in öffentlichen Räumen sichtbare Kreuz dankbar sind“, schreiben sie. „Denn das Kreuz steht für die in Gott gründende Würde des Menschen, die eines der wesentlichen Würdefundamente ist und die unsere Demokratie nicht aus sich selbst hervorzubringen vermag.“

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