Reaktionen auf Corona-Maßnahmen: Wut und Verzweiflung

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Ein Wirt mit Maske zapft Bier
Ein Wirt mit Maske zapft Bier. (Foto: Christoph Soeder / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Sabine Dobel und Christof Rührmair

Ab Montag sollen die verschärften Corona-Regeln gelten. Bei den Betroffenen in Bayern reicht die Stimmung von Ärger über Frustration bis zu Nervosität. Ein Überblick.

HOTELS UND GASTSTÄTTEN

Gaststätten werden - abgesehen vom Außerhausverkauf - wieder geschlossen, Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Die Münchner Innenstadtwirte zeigten sich „fassungslos und bestürzt“ über die Maßnahme. Gaststätten seien nicht Treiber der Infektion, und man betreibe einen großen Aufwand zum Schutz, betont Gregor Lemke, Vorsitzender des Vereins der Münchner Innenstadtwirte. „Dass wir jetzt trotzdem einen neuerlichen Lockdown hinnehmen müssen, ist ein Schock.“

Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, sagte, die Reaktionen aus der Branche reichten „von totaler Verzweiflung, Wut, Angst über Ratlosigkeit bis hin zu Hoffnung“. Die Maßnahmen seien einseitig und nicht verhältnismäßig, kritisiert er. Allerdings gebe es auch die Hoffnung, dass man jetzt mit schnellen staatlichen Hilfen schließe, „um dann über Weihnachten wieder öffnen zu dürfen“.

TOURISMUS

Auch jenseits der Beherbergung bleiben viele touristische Angebote geschlossen. So verzögert sich der eigentlich für den 13. November geplante Start in die Wintersaison auf der Zugspitze. Dort wird zudem bereits am Samstag der Betrieb für Ausflügler eingestellt. Sowohl bei der Zugspitzbahn als auch dem Verband Deutscher Seilbahnen richten sich die Hoffnungen nun auf die Wintersaison nach November.

Ähnlich sieht es die Sprecherin des Tourismusverbandes Oberbayern, Cindy Peplinski: „Die Zuversicht in den oberbayerischen Alpen-Destinationen ist nach wie vor groß, dass uns eine herausfordernde, aber gute Wintersaison bevorsteht.“ Die neuen Schließungen träfen die Branche schmerzhaft, allerdings zähle der November auch sonst zu den schwächsten Monaten. Zudem gebe es die Hoffnung, dass mehr Menschen ihren Urlaub in Deutschland und speziell in Bayern verbringen.

KINOS

Auch die Kinos werden geschlossen. Der Chef der Produktionsfirma Constantin Film, Martin Moszkowicz, hält dies für völlig falsch. „Kinos tragen nicht zu dem gesteigerten Infektionsgeschehen der letzten Wochen bei. Im Gegenteil - ein kulturelles Angebot mit vernünftigen Hygienekonzepten würde die Akzeptanz der Maßnahmen erheblich steigern“, sagte er. „Darüber hinaus muss man immer im Hinterkopf behalten, dass wir dabei sind, einen großen, wichtigen Teil unserer Kultur zu beschädigen oder zu verlieren.“

„Es ist schon sehr zermürbend“, sagt die Sprecherin einer Gruppe von mehr als 20 Arthouse-Kinos aus dem Münchner Raum. Dass gerade jetzt im Herbst, wenn die traditionelle Kinozeit beginne, wieder Schließungen kämen, sei „eine Katastrophe“. Damit steige die Gefahr für ein Kinosterben, auch weil die Betreiber keine Rücklagen für die schwächeren Sommermonate hätten anlegen können.

THEATER

Sie werden ebenfalls geschlossen. Das kritisiert die neue Chefin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel, als „komplette Willkür“. In einer Demokratie müssten die Regeln für den Umgang mit der Corona-Seuche verhandelt werde, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. „Lernen und verhandeln kann man aber nicht, wenn mit Verboten und Willkür durchregiert wird.“ Warum es die Theater treffe, verstehe sie nicht: „Wenn man Kitas und Schulen offen halten will, warum dann nicht auch die Theater? Ich bin der Überzeugung, dass gerade jetzt diese Räume wichtig sind, um etwas anderes zu erfahren als soziale Distanz und Angst. Ich finde die Aussicht furchtbar, sich wieder in Wohnungen verkrümeln und in den digitalen Raum ausweichen zu müssen.“

SCHULEN

Die Schulen sollen offen bleiben. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann sieht den Betrieb bei hohen Corona-Zahlen als schwierige Gratwanderung. Es gehe darum, so viel Unterricht live anzubieten wie möglich - „aber nur, wenn zu 100 Prozent Gesundheitsschutz gewährleistet werden, für die Schüler und alle, die in der Schule arbeiten“ sagt sie. „Wenn das nicht der Fall ist, muss die Schule schließen.“

Auch Lehrerinnen und Lehrer hätten Angst vor Infektionen, sagt Fleischmann, sie wüssten aber auch, wie wichtig Schule für Kinder ist sei. Dies zeige sich auch daran, dass Schüler selber sagten: „Bitte, bitte, kann nicht Schule sein?“

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