Prozess um Todesschüsse in Kneipe

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Justizzentrum Traunstein
Ein Schild mit der Aufschrift "Justizzentrum Traunstein" ist vor dem Justizzentrum in Traunstein (Bayern) zu sehen. (Foto: Matthias Balk/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Laura Krzikalla und Sabine Dobel

Die Schüsse rissen die Anwohner aus dem Schlaf. In einer Kneipe im oberbayerischen Traunreut erschoss ein Mann im vergangenen September zwei Gäste; zwei Frauen überlebten schwer verletzt. Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Täter wegen zweifachen Mordes sowie versuchten Mordes vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Was den 63-Jährigen antrieb, ist weiter unklar. Er beruft sich auf Gedächtnislücken.

Der Angeklagte hatte am Abend des 16. September 2017 mit der Wirtin des „Hex-Hex“ und deren Freundin sowie einem Gast getrunken und gegessen. Laut Staatsanwaltschaft ging er sogar extra nach Hause, um noch eine Brotzeit zu holen: Brot, Speck, Wurst und eine Flasche selbstgebrannten Schnaps. Dann verließ er erneut die Kneipe und kehrte laut Anklage mit dem Gewehr zurück. Er soll sofort gefeuert und dann auch noch mit der Waffe auf die Opfer eingeschlagen haben. Zwei 31 Jahre alte Männer starben. Die damals 50 Jahre alte Wirtin und deren Bekannte (28) wurden schwer verletzt.

Daran, so sagt der 63-Jährige, könne er sich nicht erinnern. Seine Erinnerung habe er erst wieder eingesetzt, als er im Schlafzimmer seiner Wohnung gewesen sei.

Seine Version des Abends: Nachdem er mit den drei Leuten Brotzeit und Schnaps verzehrt hatte, trank er ein letztes Bier. Dieses stellte er nach zwei Schlucken weg und beschwerte sich: Es sei bitter und warm gewesen. Zwei andere Männer, die auch im Lokal waren, seien die ganze Zeit „komisch“ gewesen und hätten „ihre Gesichter versteckt“. Sie hätten ihm in dieses Bier K.o.-Tropfen getan. „Nach dem ersten Schluck war in meinem Kopf nicht mehr alles normal, nach dem zweiten weiß ich gar nichts.“ Mehrfach wiederholt er: „Mein Kopf hat nicht funktioniert.“ Bis sein Verteidiger sagt, dass nun Schluss ist mit der Aussage. Sein Mandant könne nichts weiter hinzufügen.

Der Mann ist in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung untergebracht. Der Vorwurf der Anklage stützt sich auf Sachverständigengutachten und Zeugenaussagen. Zudem wurde in der Wohnung des Angeklagten das Gewehr samt Munition sichergestellt.

Die Waffe besaß er illegal. Er habe sie Wochen vor der Tat an einem Fischplatz gefunden, behauptet er. Er habe sie mit nach Hause genommen und geputzt, weil sie ihn interessiert habe. „Von meiner Kindheit an hatte ich Umgang mit Waffen.“ Der Mann kam 1996 aus Kasachstan nach Deutschland und arbeitete als Lastwagenfahrer sowie am Bau. In Kasachstan, wo er bei der Armee war, sei er jagen gegangen, in Deutschland nur angeln. Auch am Tattag habe er einen Ausflug zum Fischen vorbereitet.

Schon früher war über eine Lebenskrise des 63-Jährigen spekuliert worden. Der Angeklagte selbst berichtet von der Trennung von seiner Frau. Er habe mehrfach versucht, sie zu kontaktieren. Die Wirtin gab laut einem Polizeibeamten nach der Tat an, die Stimmung in der Kneipe sei gut gewesen, dann aber gekippt. Warum, ist weiterhin ein Rätsel.

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