Polizei schlägt gegen Saboteure von Maishäckslern zu

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Sabotage an Maishäckslern
Ein Maishäcksler und ein Traktorgespann ernten ein Maisfeld. (Foto: Thomas Warnack / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Michael Donhauser

Der Schaden geht in die Millionen: Überall in Deutschland verüben Kriminelle auf Feldern Anschläge auf Maishäcksler. Mit Hilfe von Metallbolzen, Drähten, Nägeln, Schrauben oder Schläuchen machen sie hochwertige Landmaschinen unbrauchbar - und vereiteln wegen des Maschinenausfalls auch noch die Ernte. Für die Polizei sind die Täter kaum zu fassen. Jetzt ist der Polizei in Neustadt an der Aisch ein Coup gelungen: Drei Landwirte aus der Gegend wurden als Täter ermittelt. Ihr Motiv: bisher unbekannt.

Die Saboteure sind von der Polizei kaum zu fassen. Sie haben alle Zeit der Welt, um die Felder im Schutz der Dunkelheit so zu präparieren, dass Tage später ein Häcksler Schaden nimmt. Der Fall in Neustadt/Aisch ist der erste in Bayern, den die Polizei aufklären kann, wie Mittelfrankens Polizeipräsident Roman Fertinger am Dienstag sagt. Und das, obwohl es schon seit Jahren solche Angriffe gibt.

Die kriminelle Energie der Täter ist enorm. Manchmal treiben sie lange Schrauben oder Nägel in Maiskolben. Manchmal schaffen sie ganze Konstruktionen aus Holz, Eisen, Schläuchen und Klebeband, um den Landwirt mit seinem Häcksler ins Verderben zu locken. Die Landwirte haben längst reagiert und begehen vor jeder Ernte ihr Feld auf der Suche nach Fallstricken. Auch Metalldetektoren an den Häckslern sind inzwischen die Regel. Die Saboteure umgehen diese wiederum mit Klebenband-Ummantelungen oder Metall in Gummischläuchen.

Bei den drei tatverdächtigen Bauern, die gemeinsam einen Hof in der Nähe von Neustadt/Aisch betreiben, kam der Polizei „Kommissar Zufall“ zu Hilfe. Bei Zeugenbefragungen in der Nachbarschaft nach einem der Delikte wurden ausgerechnet auf dem Hof der drei Männer eben jene Schläuche gefunden, die auch auf dem Maisfeld entdeckt worden waren.

„Riesige Mengen Beweismaterial“ seien inzwischen gesichert worden. Dazu gehört etwa ein Stück einer Pumpe, das die Kriminellen von einem Jauchefass abgetrennt hatten und als Waffe einsetzten. Zu den sichergestellten Dingen gehört auch DNA-Material, das mit dem Erbgut von zwei der drei Männer zusammenpasst - alle drei hatten sich freiwillig einer Speichelprobe unterzogen.

Bei dem von den mutmaßlichen Tätern bewirtschafteten Hof handelt es sich um einen Betrieb in einem äußerlich möglicherweise nicht einwandfreiem Zustand. Oder wie Polizeipräsident Fertinger es ausdrückt: „Ein ziemlicher Verhau.“ Veterinäramt sowie Baubehörde und Wasserschutzbehörde seien hinzugezogen worden. Die geschädigten Landwirte seien professionelle Bauern. Sie hätten ihren Mais sowohl für Futterzwecke als auch zur Energiegewinnung angebaut, wie der leitende Ermittler Wolgang Kneißl erklärt.

Zur Motivlage will sich die Polizei zunächst nicht äußern - zumal sich die Tatverdächtigen bisher nicht geäußert hätten. In der Vergangenheit war immer wieder vermutet worden, dass militante Umweltschützer hinter den Sabotageakten stecken könnten. Der Maisanbau gilt als fragwürdig aus umweltschützerischer Sicht - der Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland etwa spricht von einer „Vermaisung“ der Umwelt. Wiesen müssten Maisfeldern weichen, Maisanbau bedeute den Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln und viel Stickstoffdüngung.

Auch der Konkurrenzkampf unter Landwirten wurde oft als mögliches Motiv angeführt. Maisanbau gilt als lukratives Geschäft, auch weil damit ein Großteil der Biogasanlagen befeuert wird.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ist sich weitgehend sicher, dass dem mutmaßlichen Tätertrio fünf vollendete Fälle von Sachbeschädigung nachgewiesen werden können. Hinzu kommen fünf Versuche, bei denen es nicht zu Schäden kam. Ob das Netzwerk der Drei noch über Mittelfranken hinausgeht und sie auch für Taten in anderen Gegenden - etwa in Schwaben - verantwortlich gemacht werden können, müssten die fortlaufenden Ermittlungen zeigen.

Mitteilung Polizei

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