Piazolo hält an Mehrarbeit für Lehrer fest

Lesedauer: 5 Min
Kultusminister spricht in ein Mikrofon
Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Ralf Müller

Vor dem Hintergrund andauernder Proteste von Lehrerverbänden hat Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) seine Maßnahmen zur Abfederung des drohenden Lehrermangels an Grund- und Mittelschulen verteidigt. Die Mehrbelastungen seien „vorübergehend und bezahlt“, sagte Piazolo am Freitag. Nichts zu tun hätte auf mittlere Sicht mehr Ärger gemacht „als wir jetzt haben“, so der Minister. Die SPD warf Piazolo vor, die Lehrer nicht ernst zu nehmen.

Zum kommenden Schuljahr wird erwartet, dass es in Bayern 1400 Grund- und Mittelschullehrer zu wenig gibt. Um dies auszugleichen, setzt Piazolo auch auf dienstrechtliche Maßnahmen. Auf den stärksten Protest stieß die Erhöhung der wöchentlichen Pflichtstundenzahl für Grundschullehrer um eine auf 29Stunden. Dies betreffe jedoch nur sieben Prozent der Grundschullehrer, sagte Piazolo. Rund zwei Drittel der Grundschullehrer arbeiten allerdings in Teilzeit. Deren Pflichtstundenzahl wird kräftiger erhöht.

Im Schuljahr 2020/2021 sollen dennoch nur 15 Prozent der Lehrer an den Grundschulen betroffen sein. Die Mehrarbeit soll dem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben und nach fünf Jahren in Form von Stundenermäßigungen zurückgegeben werden. Lehrer ab 57 Jahren sowie an Mittel- und Förderschulen sind von der Stundenerhöhung ausgenommen, ebenso wie Fachlehrkräfte und Schwerbehinderte.

Weitere Einschränkungen sind für den vorzeitigen Altersruhestand mit 64 Jahren vorgesehen, der in der Regel nicht mehr möglich sein soll. Auch ein Sabbatjahr mit anschließenden Ruhestand wird nicht mehr genehmigt. Alle bisherigen Zusagen bleiben jedoch unangetastet, ebenso wie der vorzeitige Altersruhestand mit 65 Jahren und für Schwerbehinderte.

Parallel dazu soll dem drohenden Lehrermangel mit „freiwilligen Beiträgen“ der Lehrkräfte begegnet werden. Dazu gehört die freiwillige Erhöhung von Teilzeit, die vorzeitige Rückkehr aus der Beurlaubung, der freiwillige spätere Eintritt in den Ruhestand und die Reaktivierung von Pensionisten. Die Lehrer sollen außerdem bei den Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Für Drittkräfte etwa zu Sprach- und Alphabetisierungskursen wird mehr Geld zur Verfügung gestellt. Die Lehrer besänftigen will Piazolo außerdem mit 3000 zusätzlichen Beförderungsmöglichkeiten für Grund- und Mittelschullehrer. Sie werden den Freistaat jährlich zusätzlich 18 Millionen Euro kosten.

Leider habe er noch niemanden getroffen, der sich dafür bedankt hätte, bedauerte Piazolo. Er erinnerte daran, dass der Beamtenstatus „nicht nur nachteilhaft“ sei. Immerhin seien 92 Prozent der bayerischen Lehrer auf Lebenszeit verbeamtet und könnten mit 71 Prozent der letzten Bezüge in den Ruhestand gehen. Den Vorschlag, Unterrichtsstunden zu streichen, lehnte Piazolo ab: „Das wird das Niveau nicht heben.“ Man wollte auch nicht zu einer Erhöhung der Klassenstärken Zuflucht nehmen.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD im bayerischen Landtag, Simone Strohmayr, lehnte Piazolos Pläne als „nicht zielführend“ ab. Erforderlich seien langfristige und nachhaltige Maßnahmen für alle und „keine Zuckerl für wenige“, ergänzte Strohmayr mit Blick auf die angekündigten zusätzlichen Beförderungen. Die SPD-Politikerin forderte, die Attraktivität des Berufes zu erhöhen, die Eingangsbesoldung anzuheben und feste und sichere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Fach- und Förderlehrer sollen zudem aufgewertet werden. Die SPD wendet sich gegen das Arbeitszeitkonto für Grundschullehrkräfte, das aus ihrer Sicht einem zinslosen Darlehen an die Staatsregierung gleichkommt, gegen eine längere Lebensarbeitszeit und die Einschränkung der Teilzeitmöglichkeiten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen