„Phantom“ Mintal als „Club“-Platzhalter: „Jeder ist heiß“

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Marek Mintal
Marek Mintal vom 1. FC Nürnberg. (Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Von Martin Moravec

Sein „Phantom“ Marek Mintal nutzt der kriselnde 1. FC Nürnberg mal wieder als beruhigenden Platzhalter. Schon nach der Trennung von Aufstiegstrainer Michael Köllner im Februar fungierte die Vereinslegende als Notnagel. Damals allerdings nur als Interims-Assistent unter Interims-Cheftrainer Boris Schommers. Nach der Freistellung von Damir Canadi steht der frühere Torjäger nun wieder in der Verantwortung beim fränkischen Fußball-Zweitligisten und musste nach eigener Aussage „keine einzige Sekunde“ überlegen. „Ich habe sofort ja gesagt.“

Und der 42-Jährige, der bisher die U21 betreute, hält vor seiner ersten Einheit am Mittwoch als Übergangslösung in seinem schwarzen Trainingsoutfit erst mal eine kurze Ansprache an die auf Rang elf abgestürzte Mannschaft. „Zielstrebigkeit, Spaß und Freude, extrem viel Bewegung, das war heute auf dem Platz“, meinte Mintal anschließend und attestierte der Mannschaft „extrem viel Qualität“.

Bei nur zwei Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 16 hat das Heimspiel vor der zweiwöchigen Länderspielpause gegen den Tabellenzweiten Arminia Bielefeld am Sonntag (13.30 Uhr) enorme Bedeutung. „Jeder von uns ist heiß, jeder will unbedingt den Dreier“, sagte Mintal mit Blick auf die Bilanz von nur einem Sieg aus den vergangenen neun Pflichtspielen.

Sportvorstand Robert Palikuca will bei der Suche nach einem Nachfolger für den autoritären Canadi nichts überstürzen. Der neue „Club“-Coach solle aber auf jeden Fall zweitliga-erfahren sein. Einer wie Markus Anfang könnte es werden. Der Rheinländer führte Holstein Kiel 2018 in die Bundesliga-Relegation, ein Jahr danach hielt er bis zu seiner Freistellung den 1. FC Köln auf Kurs Bundesliga-Rückkehr.

Mintals erste Rettungsmission beim FCN in diesem Jahr verlief nicht erfolgreich. Unter Schommers als Chef und ihm als Assistent stieg der „Club“ im Mai zum neunten Mal aus der Bundesliga ab. Der zurückhaltende Slowake übernahm anschließend die U21.

Mintal genießt in Franken Kultstatus. Und wie es sich für eine Vereinslegende gehört, muss nicht zuletzt die Ursprungsgeschichte legendär sein. Diese besagt, dass Mintal von einem Autohändler entdeckt wurde. Peter Hammer war demnach auf einer seiner Geschäftsreisen in der Slowakei unterwegs. Im Hotelzimmer habe er sich abends gerne Spiele der slowakischen Liga im TV angesehen. Dabei fiel Hammer, so erzählte er es einmal selbst, ein gewisser Marek Mintal auf, der für den MŠK Žilina Tore schoss.

Der Legende nach ergab sich die Verbindung zum 1. FC Nürnberg dann so, dass der damalige Coach der Franken, Wolfgang Wolf, im Haus von Hammers Mutter wohnte. Wolf brauchte nicht nur ein neues Auto, sondern auch noch einen torgefährlichen Mittelfeldspieler. Hammer hatte beides, woraufhin Wolf Mintal in der Slowakei beobachten ließ. Im Sommer 2003 wechselte der Angreifer dann für rund 100 000 Euro Ablöse als zweimaliger slowakischer Torschützenkönig nach Franken.

Der Mann aus Žilina wurde in Nürnberg prompt Torschützenkönig in der 2. Liga, stieg mit dem „Club“ auf und wurde auf Anhieb auch Torschützenkönig in der 1. Liga. 2007 gewann er mit den Franken den DFB-Pokal. „Ich bin nie der schnellste Spieler gewesen, aber ich konnte laufen“, sagte Mintal einmal der „Nürnberger Zeitung“ zu seiner Strategie, die Gegenspieler müde zu machen.

Und dann hatte er eine seltene Antizipationsfähigkeit, ein Gefühl dafür, wo Zuspiele landen würden. Mintal war zur Stelle und machte quasi wie aus dem Nichts seine Tore. Daher stammt auch sein Spitzname „Phantom“. Und genauso geräuschlos, wie er sich einst anpirschte, wird Mintal wieder Platz machen - sobald Palikuca den neuen FCN-Coach gefunden hat.

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