Neue Beweisanträge im Schleuserprozess um Tote im Mittelmeer

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Goldfarbene Justitia-Figur
Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenbergen. (Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Der Traunsteiner Prozess gegen einen mutmaßlichen Schleuser wegen einer tödlichen Flucht über das Mittelmeer könnte sich weiter hinziehen. Nach neuen Beweisanträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurde der Verhandlungstag am Freitag abgesetzt.

Im September 2015 war ein Schlauchboot mit gut 50 Menschen an Bord auf dem Weg vom türkischen Izmir in Richtung Griechenland mit einem Frachter kollidiert. 17 Flüchtlinge starben, unter ihnen sechs Kinder. Im Sommer 2017 hatte das Landgericht Traunstein einen heute 30-jährigen mutmaßlichen Vermittler, den 26-jährigen Bootsführer und einen dritten Mann - alle selbst Flüchtlinge aus Syrien - wegen der Schleusung verurteilt. Der 30-Jährige bekam vier Jahre Haft wegen gewerbsmäßiger Schleusung. Nach Revision der Staatsanwaltschaft hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf, nun wird neu verhandelt.

„Wir haben in öffentlicher Sitzung den Antrag bestellt, die Richter und die Staatsanwältin des ersten Prozesses als Zeugen zu den damaligen Angaben des Angeklagten zu hören“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Der Verteidiger des Angeklagten stellte nach ihren Angaben die Anträge, dass der Kapitän der erste Offizier sowie die Besatzung des türkischen Frachtschiffes ermittelt und vernommen werden.

Denn die Rolle des Frachterkapitäns und seine Identität sind bis heute unklar. Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. Dann will das Gericht voraussichtlich auch über die Anträge entscheiden.

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