Ex-Koordinatoren berichten über Kontakte zu Wirecard

Untersuchungsausschuss zum Bilanzskandal Wirecard
Der frühere Geheimdienstbeauftragte der Bundesregierung Klaus-Dieter Fritsche wartet. (Foto: Kay Nietfeld / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Im Untersuchungsausschuss des Bundestags haben frühere Geheimdienstkoordinatoren der Bundesregierung über ihre Kontakte zum Skandalkonzern Wirecard berichtet. Der ehemalige Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche bestätigte am Donnerstag, er sei als Lobbyist für den Konzern tätig gewesen. Wirecard habe die Kontakte zur Bundesregierung verbessern wollen. Er selbst habe auf die Arbeit der Finanzaufsicht Bafin vertraut und keinen Grund gesehen, sich nicht zu engagieren. Ex-Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer berichtete von einem Treffen mit Wirecard-Manager Jan Marsalek im Jahr 2018, der inzwischen international gesucht wird.

Es habe bei Wirecard mehrere Punkte gegeben, „die mich nicht nur interessierten, die auch die Sicherheit unseres Landes betrafen“, sagte Schmidbauer. So habe ihn etwa „elektrisiert“, dass Marsalek damit geprahlt habe, die Formel des Nervengifts Nowitschok zu besitzen. Er habe sich bemüht, mehr von ihm zu erfahren, berichtete Schmidbauer. „Das gelang nicht.“

Die deutschen Nachrichtendienste hatten nach Erkenntnissen des Ausschusses nur wenig Informationen über den früheren Dax-Konzern Wirecard. „Es ist überraschend, wie wenig unsere Nachrichtendienste über Wirecard wussten“, sagte der SPD-Finanzpolitiker Jens Zimmermann. Zuvor hatte Sonderermittler Wolfgang Wieland dem Ausschuss in geheimer Sitzung über seine Erkenntnisse berichtet. Es gebe keine belastenden Informationen, dass deutsche Nachrichtendienste irgendwie mit Wirecard kooperiert hätten, sagte Zimmermann.

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar berichtete, die Informationen der deutschen Dienste über Wirecard seien weitestgehend „unüberprüfte Hinweise von befreundeten Nachrichtendiensten“ gewesen. Es stelle sich die Frage, ob die deutschen Nachrichtendienste überhaupt so gut arbeiteten, wie man es eigentlich erwarten würde.

Unter anderem gebe es im Zusammenhang mit dem Fall Wirecard Hinweise darauf, dass österreichische Nachrichtendienste Quellen in Deutschland geführt hätten. „Will da im Kanzleramt nicht vielleicht mal jemand zum Telefon greifen und in Österreich anrufen und fragen, was da eigentlich los ist?“, fragte Zimmermann.

Der Finanzpolitiker der Grünen, Danyal Bayaz, kritisierte, die Bundesregierung habe Informationen über eine Zusammenarbeit mit Wirecard zurückgehalten. In mehreren deutschen Sicherheitsbehörden seien Kreditkarten der Firma zum Einsatz gekommen - was man dem Ausschuss lange nicht offengelegt habe. „Angesichts der Kontakte von Jan Marsalek zu ausländischen Geheimdiensten stellt sich die Frage, ob dabei deutsche Sicherheitsinteressen verletzt wurden“, betonte er.

Dass zwei ehemalige Geheimdienstkoordinatoren sich von Wirecard hätten einspannen lassen, sei „eine bemerkenswerte Häufung von Zufällen“. Bayaz und der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk von der AfD sprachen sich für strengere Lobby- und Transparenzregeln für ehemalige Spitzenbeamte aus.

© dpa-infocom, dpa:210415-99-219474/4

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Jetzt mit Push-Nachrichten für Ihr Impfzentrum

Die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt. 

+++ JETZT NEU: Nutzer mit einem Schwäbische Plus Basic, Premium- oder Komplettabo können sich nun exklusiv und noch schneller per Pushnachricht aufs Handy über freie Termine bei Ihrem Wunsch-Impfzentrum informieren lassen. Hier geht es direkt zum Push-Service, Abonnenten können ihn sofort nutzen.

Nutzer ohne Abo können weiterhin die bestehende Impfampel auf dieser Seite hier nutzen.

 Der kleine Grenzverkehr ist ab Mittwoch wieder möglich.

Kleiner Grenzverkehr zwischen Lindau und Vorarlberg ab Mittwoch möglich

Der kleine Grenzverkehr zwischen Lindau und Vorarlberg ist ab Mittwoch wieder möglich. Das verkünden Markus Söder und Sebastian Kurz nach einem Treffen am Dienstag.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am Dienstag nach einer Besprechung mit Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Einkäufe sowie Besuche von Freunden und Verwandten seien ab Mittwoch, 12. Mai, wieder möglich. Sowohl Bayern als auch Vorarlberg wollen über Pfingsten außerdem wieder Tourismus zulassen.

Corona-Newsblog: Einzelne Kreise könnten schon am Freitag lockern

Die wichtigsten Nachrichten und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog mit Fokus auf Deutschland und Schwerpunkt auf den Südwesten.

Aktuelle Zahlen des RKI¹: Aktuell nachgewiesene Infizierte Baden-Württemberg: ca. 38.500 (467.881 Gesamt - ca. 414.800 Genesene - 9.565 Verstorbene) Todesfälle Baden-Württemberg: 9.565 Sieben-Tage-Inzidenz Baden-Württemberg: 140,6 Aktuell nachgewiesene Infizierte Deutschland: ca. 251.300 (3.533.

Mehr Themen