Nach über 40 Jahren: Müller-Wohlfahrt hört bei Bayern auf

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Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt lächelt in die Kamera
Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt lächelt in die Kamera. (Foto: Matthias Balk / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Christian Kunz und Martin Moravec

Die Sprints von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit wehendem Haar zum verletzten Star sind bald Vergangenheit. Zwei Jahre nach dem Ende seiner Tätigkeit bei der Fußball-Nationalmannschaft hört der 77-Jährige Ende dieses Monats auch beim FC Bayern München auf. „Der ganze Verein und Generationen von Spielern - von Franz Beckenbauer und Gerd Müller über Klaus Augenthaler und Bastian Schweinsteiger bis hin zu Thomas Müller und Robert Lewandowski - schulden Mull ihren größten Dank“, rühmte der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Verdienste des weltbekannten Sportmediziners.

Müller-Wohlfahrt war vier Jahrzehnte Mannschaftsarzt des FC Bayern. Mehr als 20 Jahre hatte er auch für das DFB-Team gearbeitet, die WM in Russland 2018 war sein letztes Turnier. Jetzt ist auch beim FC Bayern Schluss, dem er sich im April 1977 nach seiner Zeit bei Hertha anschloss. Auf Initiative des damaligen Trainers Dettmar Cramer betreute Müller-Wohlfahrt fortan die Bayern-Profis.

„Mull hat über Jahrzehnte beim FC Bayern hervorragende Arbeit geleistet und damit weltweit einen Standard in der Sportmedizin gesetzt“, hob Rummenigge hervor. Müller-Wohlfahrt will sich künftig auf seine Praxis konzentrieren. Er wird sich auch in einem wissenschaftlichen Projekt einbringen, in dem mittels Künstlicher Intelligenz Muskelverletzungen anhand von MRT-Bildern diagnostiziert werden sollen. Außerdem will er die Verbesserung der Diagnose von Gelenkverletzungen in Arztpraxen mit Hilfe von Mikrosonden vorantreiben.

„Wenn ich auf meine vierzig Jahre beim FC Bayern zurückblicke, bin ich glücklich und sehr zufrieden. Die Erlebnisse, die wir hier gemeinsam hatten, die Erfolge, die wir zusammen gefeiert haben und vor allem die Menschen, die ich in diesem Verein kennengelernt habe, haben mein Leben nachhaltig geprägt“, sagte Müller-Wohlfahrt laut Mitteilung vom Freitag. Die Betreuung der Bayern-Stars setzen zwei Ärzte aus dem bisherigen Team von Müller-Wohlfahrt fort.

Müller-Wohlfahrt gewann mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft Titel um Titel. „An seinem Wort, an seiner Einschätzung hatte ich als Trainer niemals Zweifel“, sagte Bundestrainer Joachim Löw einst. 2014 hatten sie als Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit den WM-Titel gefeiert.

Etwa doppelt so lange wirkte Müller-Wohlfahrt für den FC Bayern, für den Präsident Herbert Hainer nun „für die herausragende Arbeit in den vergangenen 40 Jahren“ dankte. „Der "Doc" hat durch seine einzigartige Expertise und außerordentlichen Fähigkeiten ganz wesentlich zu unseren sportlichen Erfolgen beigetragen und wird immer ein Teil der Bayern-Familie bleiben“, sagte Hainer.

Reibungslos lief aber nicht alles. Nach Spannungen mit dem damaligen Coach Jürgen Klinsmann nahm Müller-Wohlfahrt 2008 auch wegen der Neugestaltung seiner Praxis beim FC Bayern eine erste Auszeit. Als Klinsmann weg war, kehrte „Mull“ doch wieder zurück. Im April 2015 kam es nach einem großen Streit mit dem damaligen Münchner Chefcoach Pep Guardiola zur erneuten Abwesenheit. Als Pep weg war, kehrte Müller Wohlfahrt aber nochmal zurück.

„Als ich mit 21 zum FC Bayern kam, habe ich den Doktor aus der Perspektive des Profis kennen gelernt. Ich habe ihm immer vertraut und bin sehr dankbar dafür, was er für mich und den FC Bayern geleistet hat“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. „Mull ist einzigartig, deshalb habe ich ihn 2017 in meiner Funktion als Sportdirektor des FC Bayern sofort wieder an unsere Mannschaft gebunden.“

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