Mit Seehofer muss Söder rechnen

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Schwäbische Zeitung
Ralf Müller

Während das politische Bayern – selbst die Opposition – nach dem Abtritt von Horst Seehofer nicht sicher ist, ob Besseres nachkommt, wird sich Deutschland – je nach Standpunkt – freuen oder fürchten: Der 68-Jährige übernimmt das Bundesinnenministerium, das durch sein Zutun noch etwas größer geworden ist und gleich acht Staatssekretäre benötigt. Jedenfalls darf er sich in der Runde seiner fünf beamteten und drei parlamentarischen Staatssekretäre weiterhin als so etwas wie ein Kabinettschef fühlen.

Außerdem bleibt er CSU-Vorsitzender. Damit ist klar: Söder muss weiterhin mit Seehofer rechnen. Niemand weiß bis ins Detail, was zwischen den beiden politischen Alpha-Tieren im Laufe der letzten Jahrzehnte alles genau vorgefallen ist. Es muss aber eine ganze Menge gewesen sein. Letztlich ist der holprige Abgang als Ministerpräsident, den Seehofer seiner Partei, aber auch sich selbst zugefügt hat, dieser tiefen Aversion zuzuschreiben. Bis zuletzt versuchte Seehofer, Söder zu verhindern. Dabei hat er seinem Abgang etwas die Würde genommen, die er verdient hätte. Seehofer hat im Lauf seiner politischen Karriere viele Kurswechsel vollzogen – und steht dazu. Ob Seehofer im neuen Amt und mit seiner Methode der produktiven Unruhe mehr reißt als sein Vorgänger, ist ungewiss.

politik@schwaebische.de

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