Messerstecher von Nürnberg entschuldigt sich bei Opfern

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Prozess um Messerstiche gegen drei Frauen
Ein wegen versuchten Mordes angeklagter Mann steht zum Prozessbeginn im Landgericht Nürnberg-Fürth. (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Herbert Mackert

Zu Prozessbeginn sind seine ersten Worte: „Ich möchte mich bei den Frauen entschuldigen. Es tut mir unheimlich leid“. Doch die Antwort auf das „Warum“ für seine Messerattacken auf drei Frauen in Nürnberg bleibt der 39-jährige Angeklagte am Donnerstag zum Auftakt vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth schuldig.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Mord in drei Fällen vor. Zudem Diebstahl mit Waffen und gefährliche Körperverletzung. Einige Medien bezeichneten ihn als „Ripper von Johannis“. Der damals obdachlose Deutsche soll am 13. Dezember vergangenen Jahres auf offener Straße im Nürnberger Stadtteil St. Johannis drei Frauen scheinbar wahllos und ohne jede Vorwarnung niedergestochen haben.

Die Opfer überlebten nur durch schnelle ärztliche Hilfe und Notoperationen. Die Taten sorgten bundesweit für Entsetzen und Aufsehen. Einen Tag nach den Messerattacken wurde der gelernte Lagerist festgenommen.

In seiner polizeilichen Vernehmung sagte der Mann, er könne sich selbst nicht erklären, dass er „so etwas zustande gebracht“ habe. Er wolle aber dafür büßen, das sei er den Frauen schuldig. „Ich muss ihnen zeigen, dass ich wirklich schuld bin. Lebenslang muss ich ins Gefängnis und anschließend Sicherungsverwahrung.“

Warum er nur Frauen auswählte und ob sein Motiv Hass auf Frauen war, auch dazu gab es am ersten Verhandlungstag keine klare Antwort. In seiner Vernehmung bei der Polizei hatte der Vater einer Tochter diese Frage verneint. „Ich habe nicht darüber nachgedacht, ich bin einfach weitergelaufen und hab denen das Messer reingesteckt.“ Er habe wechselhafte Beziehungen zu Frauen gehabt, sagte er den Beamten: „Mal haben die mich betrogen, mal ich sie.“

An jenem Dezembertag habe er sich zunächst in einer Wärmestube und dann im Hauptbahnhof aufgehalten, sei danach ziellos durch die Stadt gelaufen und habe den Plan gefasst, einen Überfall zu machen. Um sich hierfür Mut anzutrinken, habe er in einem Supermarkt eine Flasche Schnaps und ein Küchenmesser gestohlen. Wegen dieses Diebstahls nahm ihn die Polizei vorübergehend fest, ließ ihn aber ohne Diebesbeute wieder frei.

Dies handelte der Polizei Kritik ein. Denn wenig später kaufte der Tatverdächtige laut Anklage ein neues Messer mit einer 13 Zentimeter langen Klinge und rammte es seinem ersten Opfer, einer 56-jährigen Arzthelferin, in den Oberbauch. Sie sagte vor Gericht, seit dem Angriff könne sie nur jeweils fünf Minuten auf einer Seite liegen und nicht auf dem Bauch schlafen.

Das zweite Opfer, eine damals 26 Jahre alte Apothekerin, sagte aus, sie sei an dem Abend von einer betrieblichen Weihnachtsfeier gekommen und habe bemerkt, dass sich ihr jemand von hinten schneller nähert. „Ich habe erst gedacht, dass mich der Mann am Rücken drei Mal stark geboxt hat. Der will mich ablenken, um mir die Geldbörse zu stehlen.“ Erst an der Haustüre habe sie gemerkt, dass ihr in den Rücken gestochen wurde. Nach zwei Notoperationen habe sie heute keine Schmerzen mehr, jedoch müssten sich beschädigte Nerven noch regenerieren. Sie vermeide es derzeit, nachts allein unterwegs zu sein.

Das dritte Opfer war zur Tat 34 Jahre alt und wurde durch einen Bauchstich am schwersten verletzt. Die inzwischen schwangere Frau war ihrer Aussage zufolge bis vor Kurzem arbeitsunfähig und befindet sich in einer Traumatherapie. Das Urteil soll Mitte Oktober gesprochen werden.

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