München: Protest gegen Flughafenausbau

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Flugzeug hebt von Landebahn in die Luft ab
Zehn Millionen Passagiere mehr pro Jahr könnte der Flughafen München abfertigen, wenn wie geplant einer der Terminals erweitert wird. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Ralf Müller

Der Bau einer umstrittenen dritten Startbahn am Flughafen München liegt nach dem bayerischen Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern bis zur Landtagswahl 2023 auf Eis. Dennoch bahnt sich ein neuer Konflikt um den Ausbau des zweitgrößten deutschen Airports an. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und das Bündnis „aufgeMUCkt“ haben massiven Widerstand gegen die Erweiterung der Kapazitäten des Terminal 2 angekündigt. Diese planen die Flughafengesellschaft FMG und die Lufthansa. Die Luftverkehrs-Kritiker sehen darin nichts weniger als den Bau eines vierten Terminals, der die jährliche Passagierkapazität des Airports auf 60 Millionen erweitern und damit den Druck für den Bau der dritten Startbahn erhöhen soll.

FMG und Lufthansa hatten kurz vor Weihnachten bekannt gegeben, dass der Terminal-2-Satellit durch einen nach Osten erweitert werden soll. Dieser Ausbau würde die Abfertigungskapazität des Airports um weitere zehn Millionen Passagiere pro Jahr steigern. Im ersten Halbjahr 2019 war die Zahl der Passagiere in München um knapp fünf Prozent auf 22,8 Millionen angestiegen. Die Zahl der Flugbewegungen kletterte um 2,5 Prozent auf 204 830.

Petition gegen Ausbau startet

Dieses Wachstum dürfte aber für das Gesamtjahr nicht zu halten sein, erwartet der Sprecher des Aktionsbündnisses „aufgeMUCkt“, der frühere Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl. Nicht zuletzt wegen verschiedener Streiks hätten die Passagierzahlen im letzten Quartal stagniert, Flugbewegungen seien sogar gesunken. Die Erhöhung der Luftverkehrsabgabe und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Bahntickets würden 2020 „hoffentlich“ die „dringend erforderliche Trendwende“ bewirken – weg vom Fliegen. Auch die Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen (adv) erwartet für das neue Jahr eher sinkende Passagierzahlen. Begründet wurde das mit der Streichung zahlreicher Flugverbindungen durch Gesellschaften wie Ryanair, Easyjet und Eurowings, allerdings nicht mit einer zunehmenden „Flugscham“.

Schämen sollte sich die Flughafengesellschaft FMG, meint die stellvertretende BN-Landesbeauftragte Christine Margraf. Während im vergangenen Jahr in Deutschland Umweltthemen eine starke gesellschaftliche Rückendeckung bekommen hätten, scheine man am Münchener Flughafen „nach wie vor in einer Blase des scheinbar unendlichen Wachstums zu leben, als ginge Klima- und Umweltschutz den Flughafen nichts an„ und plane „einen gigantischen Ausbau“ für die klimaschädlichste Art der Fortbewegung.

Margraf und Martin Falkenberg von „aufgeMUCkt“ kündigen eine Petition an. Sie soll verhindern, dass die Flughafengesellschaft weiterhin Subventionen an Fluggesellschaften bezahlt, damit sie von und nach München fliegen. Gesellschafter der FMG sind der Freistaat Bayern, die Bundesrepublik Deutschland und die Landeshauptstadt München.

Mit der erheblichen Erweiterung der Abfertigungskapazitäten gehe der flächenfressende Ausbau des Airportgeländes zu einer regelrechten Stadt einher, kritisierte Manfred Drobny vom BN Freising. Das Areal entwickele sich immer mehr zu einem „riesigen Gewerbegebiet, zu dem man auch hin- und wegfliegen kann“ und das entsprechendes Verkehrsaufkommen im Umland erzeuge. Um den vom Flughafen initiierten „LabCampus“ entwickele sich auf 50 Hektar ein kompletter neuer Stadtteil.

Zubringerflüge der Lufthansa

Die Vorfelderweiterung Ost sei bereits im Bau und verbrauche weitere 24 Hektar. Der forcierte Flughafenausbau sei auch ein Verstoß gegen den Koalitionsvertrag der bayerischen Regierungsparteien CSU und Freie Wähler, meinte Magerl. Margraf appellierte an die FMG-Gesellschafter, auf das weiterhin geltende Baurecht für die dritte Startbahn rechtswirksam zu verzichten.

Nach Angaben Magerls standen im Sommerflugplan 2019 fünf innerdeutsche Flugziele an der Spitze. 201-mal wurde pro Woche von München nach Berlin geflogen, 174-mal nach Düsseldorf, 171-mal nach Hamburg, 132-mal nach Köln und 120-mal nach Frankfurt. Magerl bezweifelte, dass die angestrebte Anbindung des Münchener Flughafens an das ICE-Fernverkehrsnetz der Bahn zu einer Reduzierung des innerdeutschen Flugverkehrs führen wird. Trotz teilweise sehr kurzer Bahn-Reisezeiten verzichte die Lufthansa nicht auf Zubringerflüge zu ihren Drehkreuzen Frankfurt und München. So gebe es pro Tag sechs Flugpaare von Stuttgart nach Frankfurt, fünf von Nürnberg nach Frankfurt und vier von München nach Nürnberg.

Zwischen den verschiedenen Verkehrsprognosen der FMG aus der Vergangenheit und der tatsächlichen Entwicklung lägen Welten, sagte Magerl. Für das Jahr 2020 seien 607 000, 536 000 und 493 000 jährliche Flugbewegungen prognostiziert worden. Tatsächlich werde die Zahl bei etwa 405 000 liegen. Die Kapazität des Münchener Zweibahn-Systems verkrafte 473 000 Starts und Landungen pro Jahr.

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