Lawine trifft Hotel - Straße verschüttet - Weiterer Toter: Lage in Schneegebieten bleibt kritisch

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Diese verschüttete Bundesstraße wird freigeräumt. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
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Eine Lawine hat im bayerischen Wintersportort Balderschwang ein Hotel getroffen. Verletzt wurde am Montagmorgen von den Schneemassen niemand, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Lawine mit einer Breite von 300 Metern drückte Fenster des Hotels ein und Schnee gelangte ins Innere. Die etwa hundert Hotelgäste seien anderweitig untergebracht worden. 

Weder Gäste noch Angestellte werden nach den Angaben vermisst. Einsatzkräfte waren vor Ort, konnten aber zunächst nicht mit Räumungsarbeiten beginnen. Die Zufahrt zur Gemeinde Balderschwang ist wegen der Lawinengefahr seit Sonntag gesperrt. Rund 1300 Menschen sitzen in dem Wintersportort fest.

Ungewöhnlich starke Schneemassen

Die Wetterlage im von ungewöhnlich starken Schneemassen heimgesuchten Bayern bleibt derweil angespannt. Neben der Lawine auf dem Hotel treten im Norden Bayerns Flüsse über die Ufer. Und noch ist keine Entspannung in Sicht. Schnee- und mittlerweile auch Regenfälle fordern die Einsatzkräfte in Bayern.

Zwischen Lindau und München kommt es immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen. Reisende werden gebeten, sich aktuell über ihre Verbindungen zu informieren. Die Region Lindau kämpft auch auf anderen Strecken mit Zugstörungen.

Kindergarten in Isny geräumt

In Isny musste wurden am Montag Risse im Mauerwerk eines Kindergartens entdeckt, vermutlich wegen der Schneelast auf dem Dach. Rund 60 Kinder mussten auf andere Kindergärten der Stadt verteilt werden. In einem Industriegebiet im Ort wurde eine eingestürzte Doppelgarage gemeldet.

In Argenbühl wurden Hallen und Kindergärten vom Schnee befreit um ähnliche Vorkommnisse zu verhindern.  

Der Busverkehr in Leutkirch ist wegen des Schnees derzeit eingeschränkt.

Aufgrund von Bäumen im Gleis ist der Streckenabschnitt zwischen Immenstadt und Lindau weiterhin gesperrt. Die Züge aus Richtung München verkehren bis Immenstadt und enden dort vorzeitig. Ein Schienenersatzverkehr mit Bus zwischen Immenstadt und Lindau ist eingerichtet. Zusätzlich pendeln Expressbusse zwischen Kempten und Lindau.

Für die bayerischen Alpen gilt die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Am späten Sonntagabend hatte eine Lawine auch Teile der Bundesstraße 305 im Landkreis Berchtesgadener Land verschüttet.

Die Zufahrt nach Balderschwang ist gesperrt.
Die Zufahrt nach Balderschwang ist gesperrt. (Foto: dpa)

Es seien keine Autos begraben und keine Menschen verletzt worden, sagte eine Polizeisprecherin in der Nacht zu Montag. Rettungskräfte — unter anderem von der Bergwacht — waren im Einsatz. Die 15 Meter lange und fünf Meter hohe Lawine traf auf der B 305 zwischen Weißbach an der Alpenstraße und Inzell auf. Der Straßenabschnitt im Gemeindegebiet Schneizlreuth sollte zunächst bis zum Montagmittag gesperrt bleiben.

Die Bundesstraße 305 wurde verschüttet.
Die Bundesstraße 305 wurde verschüttet. (Foto: Markus Leitner/BRK BGL/dpa)

Unterdessen machte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im Berchtesgadener Land ein Bild der Lage. Dabei kündigte er an, dass 230 Einsatzkräfte der Bundespolizei die Helfer in den tief verschneiten Gebieten unterstützen werden. „Das ist ein Signal, dass man in einer solchen Situation einfach zusammensteht“, sagte der für die Bundespolizei zuständige Minister. Der Landrat des Kreises Berchtesgadener Land habe die Bundespolizei am Samstag um Hilfe gebeten.

Noch immer galt in fünf bayerischen Landkreisen der Katastrophenfall - das bedeutet, dass sämtliche Einsätze von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und anderen Hilfsorganisationen über eine zentrale Stelle koordiniert werden. In etlichen Schulen fällt auch in dieser Woche der Unterricht aus, weil die Schulwege als zu unsicher gelten.

In einer Skihütte auf dem Schwarzwaldgipfel Hornisgrinde sitzen 12 Wintersportler fest. Sie sollen nach Angaben der Bergwacht bis Montagabend zu einer tiefer gelegenen Hütte absteigen. Dann soll auch die Schwarzwaldhochstraße wieder befahrbar sein, so dass die Gruppe abgeholt werden kann. Gefahr für die Eingeschlossenen bestehe nicht, sagte ein Sprecher der Polizei in Offenburg.

Lifte geschlossen

In Niederbayern entspannte sich in der Nacht zum Montag hingegen die Lage: Die Zufahrtsstraßen zum Wintersportort Sankt Englmar bei Straubing sind wieder offen. Das Landratsamt gab um 5.00 Uhr die Zufahrtsstraßen frei, nachdem mehrere Forstmaschinen die durch Schneelast umgestürzten Bäume von der Fahrbahn geräumt und Schnee von den Bäumen geschüttelt hatten. Die Lifte im Skigebiet, Langlaufloipen und Wanderwege bleiben aber bis auf weiteres geschlossen.

Die hohe Schneelast kann Dächer kollabieren lassen. In Bayern sind Helfern vielerorts damit beschäftigt, Schnee von Hallen- oder Supermarktdächern zu räumen. (Foto: dpa)

Mehrere Flüsse und Bäche in Bayern traten in der Nacht über die Ufer. Vor allem in der Mitte und im Norden des Bundeslandes wurden teilweise Äcker und Wiesen überflutet. Für den oberfränkischen Landkreis Kulmbach warnten die Behörden vor Überschwemmungen in bebauten Gebieten.

Auch in Mittelfranken stellte sich die Polizei auf Überschwemmungen ein. „Das Hochwasser kommt langsam“, sagte eine Polizeisprecherin am Morgen. In Niederbayern stiegen einem Polizeisprecher zufolge die Wasserstände leicht an. Straßen seien aber noch nicht überflutet.

Der Deutsche Wetterdienst erwartet bis Dienstagmittag Neuschnee für die bayerischen Alpen. Für andere Teile des Landes ist Schneematsch vorausgesagt. Die Last auf Bäumen und Dächern könne damit weiter zunehmen.

180 Straßen in Österreich gesperrt - Katastrophenwarnung

Auch in Österreich, wo am Samstagabend drei Menschen aus der Region Biberach und Bad Wurzach gestorben waren - ein Mann wird noch vermisst - herrscht weiter eine angespannte Lage wegen des Schnees.

Nach erneut kräftigen Schneefällen sind in der Alpenrepublik mehr als 180 Straßen gesperrt. Wie der Sender ORF am Montagmorgen meldete, waren deswegen mindestens ein Dutzend Orte nicht erreichbar. Die Lawinengefahr ist in einigen Regionen im Vergleich zum Wochenende wieder angestiegen. Allein im österreichischen Bundesland Salzburg sind insgesamt rund 17 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.

Dachlawine tötet 47-Jährigen

Nahe Salzburg ist ein Mann von einer Dachlawine verschüttet und tödlich verletzt worden. Wie ein Polizeisprecher am Montag sagte, wurden der 47-Jährige und drei weitere Männer beim Abschaufeln eines Hausdachs von den Schneemassen mitgerissen. Sie stürzten etwa sechs Meter in die Tiefe. Ein 26 und ein 28 Jahre alter Mann wurden nach dem Unfall in der Nähe von Salzburg ins Krankenhaus gebracht. Ein 38-Jähriger blieb unverletzt.

Im Ort Rauris allein warteten 3000 Einheimische und 2000 Gäste auf die Aufhebung der dortigen Straßensperren. Die Orte Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach nahe der deutschen Grenze seien ebenfalls nicht mehr erreichbar. Gefahr drohe den Eingeschlossenen aber nicht. „Sie alle sind medizinisch versorgt und wohlauf“, sagte Markus Kurcz, Einsatzleiter des Landes.

Auch in Tirol und in Vorarlberg waren bei Touristen beliebte Skiorte wegen der großen Neuschneemengen von der Außenwelt abgeschnitten — darunter Ischgl, Sölden, Lech und Zürs. Bis zum Montagabend soll in vielen Regionen teilweise mehr als ein Meter Schnee fallen. Durch den heftigen Sturm sind große Verwehungen zu erwarten. Die örtlichen Lawinenkommissionen haben Montagfrüh erneut über die Lage beraten. Montagvormittag wurde auch der Katastrophenwarndienst KatWarn in Vorarlberg ausgelöst.

Laut Vorhersage der Meteorologen wird sich ab Dienstag die Situation wieder deutlich entspannen. 

In Österreich sind Winterdienste im Dauereinsatz, viele Straßen unpassierbar. (Foto: dpa)

In den Bundesländern Vorarlberg und Tirol wurde die höchste Warnstufe ausgerufen. In den Vorarlberger Gebieten mit sehr großer Lawinengefahr kamen bis zum Morgen 65 bis 100 Zentimeter Neuschnee zusammen. Es wurden noch weitere 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee erwartet. 

Wärme steigert die Gefahr

"Es besteht verbreitet große, vom Kleinwalsertal über den Hochtannberg, den Arlberg, das östliche Verwall bis in die Silvretta sowie im östlichen Rätikon auch sehr große Lawinengefahr. Gefahrenstellen befinden sich vor allem oberhalb 1500 m, im kammnahen, windbeeinflussten Steilgelände sowie in eingewehten Rinnen und Mulden. Anzahl und Umfang dieser nehmen mit weiterem Schneefall und Windeinfluss untertags weiter zu. Es sind spontane Lockerschnee- und Schneebrettlawinen aus stark eingewehten Einzugsgebieten zu erwarten", schreibt der Lawinenwarndienst Vorarlberg auf seiner Webseite.

Gefahrenstellen befinden sich vor allem oberhalb 1500 m, im kammnahen, windbeeinflussten Steilgelände sowie in eingewehten Rinnen und Mulden. Lawinenwarndienst Vorarlberg

"Wenn diese in tiefere Schichten durchbrechen können sie sehr groß, in den Hauptniederschlagsgebieten auch extrem groß werden und exponierte Bereiche gefährden. Vor Aktivitäten abseits gesicherter Bereiche wird abgeraten. Unterhalb ca. 2000 m und besonders auch in Bereichen mit Regeneinfluss sind auf sehr steilen Grashängen und Böschungen viele mittlere und auch große Nass- und Gleitschneelawinen möglich", heißt es weiter.

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ging zudem davon aus, dass es in Tirol und Vorarlberg gebietsweise bis zu 5 Grad warm werden könnte. „Mit der Erwärmung steigt die Auslösebereitschaft von spontanen trockenen Lawinen vor allem in mittleren und hohen Lagen deutlich an“, heißt es im Lagebericht des Lawinenwarndienstes. Auch im Gebiet Hohe Tauern im Land Salzburg galt am Montag die höchste Lawinenwarnstufe.

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