Klimafreundlich Verreisen: Warum sich die Bayern-SPD Nachtzüge zurückwünscht

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Ein Zug im Bahnhof
Das war einmal: ein Nachtzug der Deutschen Bahn in Paris (Foto: dpa)
Ralf Müller

Seit zweieinhalb Jahren tut sich nichts mehr auf dem Auto-Verladegelände am Münchener Ostbahnhof. Die Deutsche Bahn hat ihr Angebot „Auto im Reisezug“ zu Beginn des Jahres 2017 komplett eingestellt. Die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen hält das für eine grundfalsche Entscheidung. Sie fordert: Aus Klima- und Umweltschutzgründen müsse der Gesetzgeber die Bahn verpflichten, wieder in das Geschäft mit Autoreise- und Nachtzügen einzusteigen.

93 Autoreisezugverbindungen der Deutschen Bahn (DB) ins In- und Ausland gab es bis 2016. Heute gibt es nur noch wenige, die von der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) und zwei Privatunternehmen angeboten werden. Warum die DB-Autoreisezüge kein Erfolg waren, lässt sich leicht erklären: Eine Reise einer vierköpfigen Familie mit Mittelklassewagen aus Hamburg an die Schweizer Grenze bei Lörrach kostete zuletzt im Liegewagen satte 366,50 Euro, im komfortablen Schlafwagen sogar 800 Euro. Dass es anders geht, macht die ÖBB vor. Die Österreicher bietet die Reise für eine vierköpfige Familie mit Auto von Hamburg nach Innsbruck für 260 Euro im Liege- und für 400 Euro im Schlafwagen an.

In Hamburg muss die Bahn daher einen Autoverladebahnhof vorhalten. In München hat sich seit dem Auslaufen des Bahn-Programms auf dem Autoverladebahnhof gähnende Leere breit gemacht. Das Gelände kam den Planern der zweiten S-Bahn-Stammstrecke jetzt gerade recht, um dort einen weiteren S-Bahnhof vorzusehen.

Gleichzeitig hat sich die Deutsche Bahn auch aus dem Nachtzuggeschäft zurückgezogen. Mit dem Zug über Nacht von München nach Amsterdam oder mit dem Autozug ohne Stau nach Hamburg: Das geht zumindest mit der Deutschen Bahn nicht mehr . Die Fraktion der SPD im bayerischen Landtag hatte schon 2016 die bayerische Staatsregierung aufgefordert, sich gegen die Abschaffung der Nachtzüge zu stemmen – vergebens. Die Österreicher machten vor, wie Nacht- und Autoreisezüge als Alternative funktionieren könnten, sagt Bayern-SPD-Chefin Kohnen. Die ÖBB hat 21 weitere Nachtzüge bestellt, die bis Ende 2022 in Einsatz sein sollen. Heute, da über die Abschaffung von Inlandsflügen diskutiert wird, zeige sich, welch ein großer Fehler die Ausdünnung des DB-Angebots war, meint Kohnen: „Die Bahn ist deutlich klimafreundlicher als das Flugzeug. Eine Bahnreform, die den Namen verdient, müsste mittelfristig auch in ein modernes europäisches Nachtzugnetz investieren und die verschiedenen Zug- und Schienensysteme vereinheitlichen.“ Am Ende könnte die Bahn die Bahn auch innereuropäisch eine Alternative zum Flugzeug sein.

Der ganz große Erfolg ist für die ÖBB das Geschäft mit Nacht- und Autoreisezügen von und nach Deutschland allerdings noch nicht. Die „Nightjet“-und „Metropolitan“-Züge, welche die ÖBB seit Ende letzten Jahres auch von Berlin aus in die Hauptstädte von Österreich, der Slowakei und Ungarn einsetzt, sind nach Angaben von Kurt Bauer, Leiter des Fernverkehrs bei der ÖBB, zwischen 55 und 60 Prozent ausgelastet, was für ein ausgeglichenes Ergebnis ausreiche. Man gehe aber davon aus, dass künftig mehr Menschen auch innereuropäisch umweltbewusst reisen wollten, so Bauer in einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“.

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