Keine Eile beim Brenner-Nordzulauf

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 Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wurde in Rosenheim von Anwohnern empfangen, die gegen den Bau einer neuen Trasse f
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wurde in Rosenheim von Anwohnern empfangen, die gegen den Bau einer neuen Trasse für den Nordzulauf zum Brennerbasistunnel im bayerischen Inntal demonstrieren. (Foto: dpa)
Ralf Müller

Nach jahrelangen Diskussionen mit der örtlichen Bevölkerung haben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die Deutsche Bahn am Montag fünf bevorzugte Grobtrassen für die Zulaufstrecke zum Brenner-Eisenbahn-Basistunnel vorgestellt. Ein Ausbau der bestehenden Strecke als Alternative ist hingegen vom Tisch. Vorwürfe, Deutschland sei bei der Verwirklichung des Brenner-Nordzulaufs zu langsam, wies Scheuer entschieden zurück.

So ganz konnte der Bundesverkehrsminister seine Gereiztheit nicht verbergen, als er am Montag in Rosenheim die Planungen zum Brenner-Nordzulauf der Bahn vorstellte. Bei seiner Ankunft war er schon von den Bürgerinitiativen in roten Warnwesten mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert begrüßt worden. Die viele Kilometer langen Lkw-Staus seien nicht in Tirol, sondern auf bayerischer Seite zu beobachten, schimpfte Scheuer. Indirekt warf er den Tiroler Regierenden doppeltes Spiel vor. Einerseits nutzten sie jeden Quadratzentimeter entlang der Inntal- und Brennerautobahn für Industrieansiedlungen und hielten die Kraftstoffpreise niedrig, andererseits verordnete Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) eine Behinderung und Blockade nach der anderen.

Dialog braucht Zeit

Von Tiroler Seite wird Bayern und Deutschland immer wieder angekreidet, zu wenig zu tun, um den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen. Während der Brenner-Basistunnel der Vollendung entgegengeht und 2028 die ersten Züge hindurchrollen sollen, wird um den Nordzulauf auf der bayerischen Seite des Inntals seit Jahren immer nur diskutiert, heißt es.

Die bestehende Bahnstrecke von Rosenheim nach Kufstein nimmt täglich bis zu 190 Züge auf. Wenn man das System digitalisiere, könnten es 320 sein, erklärte der bayerische Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel. Das werde erstmal reichen, auch für die Jahre nach Eröffnung des Brenner-Basistunnels. Langfristig sei ein Ausbau aber keine Alternative für den Neubau. Mehrere Bürgerinitiativen halten diesen für überflüssig und reagierten enttäuscht. Nach Eröffnung des zweigleisigen Brenner-Basistunnels bleibt laut Bahn die bestehende zweigleisige Strecke über den Brennerpass in Betrieb. Das viergleisige System setzt sich sowohl nach Süden Richtung Italien wie nach Norden bis zum Knoten Radfeld fort. Man geht daher auch in Deutschland davon aus, dass die hier bestehende zweigleisige Strecke irgendwann das Güterverkehrswachstum nicht mehr aufnehmen können wird.

Aus 100 Varianten werden fünf

Bisher hatte es mehr als 100 Varianten gegeben, wie eine Neubau-Schienentrasse von Rosenheim durch den bayerischen Teil verlaufen könnte. Die jetzt in Rosenheim vorgestellten fünf Varianten sehen die Umgehung Rosenheims im Osten und Westen vor. Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) und die örtliche CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig sprachen sich bereits für eine Variante aus, welche zu zwei Dritteln im Tunnel verlaufen soll, weitgehend unter dem Erholungsgebiet Samerberg. Der Vorschlag mit dem größten Anteil an Untertunnelung komme den Wünschen der Bürger am meisten entgegen, sagte Reichhart. Gegen die meisten Vorschläge hatte es in dem dicht besiedelten Großraum Rosenheim stets massive Proteste gegeben. Bis Ende 2020 wollen die Verantwortlichen die Zahl der Trassenvarianten auf einen Vorschlag reduzieren. Dieser soll dann in die „Vorplanung“ gehen und dem Bundestag vorgelegt werden. Laufend werde im weiteren Verfahren überprüft, ob die Notwendigkeit des Projektes weiterhin bestehe, sagte Projektleiter Torsten Gruber.

Wenn Tirol die Gemeinden vom Durchgangs- und Ausweichverkehr entlasten wolle, so wäre es nach Scheuer ein erster Schritt, die Inntalautobahn bis Kufstein-Süd wieder mautfrei zu stellen. Das wäre ein „Signal“ für eine „intelligente Lösung“ der Verkehrsprobleme. Kritik Tirols an den deutschen Einreisekontrollen an der Inntalautobahn wies Scheuer zurück. Das Problem seien derzeit nicht diese Kontrollen, sondern die vom Tiroler Landeshauptmann angeordneten „Verbote, Einschränkungen und Blockaden“.

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