In Bayern Lockerung der Sargpflicht in Sicht

Lesedauer: 5 Min
Vier Holzsärge aufgereiht
Die Sargpflicht auf bayerischen Friedhöfen könnte in absehbarer Zeit fallen. Muslimen will man eine Bestattung im Leintuch ermöglichen. (Foto: dpa)
Ralf Müller

Die Pflicht, die Toten in Särgen zu bestatten, bleibt in Bayern erst einmal bestehen. Eine Mehrheit bestehend aus CSU, Freien Wählern und AfD lehnten am Donnerstag Gesetzentwürfe der Grünen und der SPD ab, den Sargzwang fallen zu lassen. Nach jahrzehntelanger Diskussion will sich die CSU nun aber bewegen, wenn auch zu ihren Bedingungen. „Wir sind durchaus gewillt, uns dieser Thematik jetzt anzunehmen", sagte der CSU-Abgeordnete Max Gibis.

Auf einen Wegfall der Sargpflicht drängen vor allem gläubige Muslime, die ihre Toten in Leinen beisetzen. In fast allen anderen Bundesländern außer in Bayern und Sachsen können sie dies auch, so der SPD-Parlamentarier Arif Tasdelen. Nur in Bayern lebende Muslime seien gezwungen, ihre Toten an einem anderen Ort zu beerdigen. Die Aufhebung der Sargpflicht „klingt nach wenig, ist aber für die Betroffenen eine ganz große Geschichte“, sagte Tasdelen und verwies auf die etwa 500 000 in Bayern lebenden Menschen muslimischer Glaubensrichtung.

Erst wenn alle noch offenen Fragen geklärt seien, werde die CSU-Freie-Wähler-Regierungskoalition eine „angemessene Vorgehensweise“ vorschlagen, sagte der CSU-Parlamentarier Gibis. Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Sache „noch nicht entscheidungsreif“. Die Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel nahm das der CSU nicht ab. Nur ihr „Starrsinn“ hindere die CSU, das bayerische Bestattungsrecht anzupassen. „Alles soll beim Alten bleiben, obwohl sich alles längst geändert hat", so Triebel. Der Umgang mit dem Tod eigne sich nicht für politische Spielchen.

Die SPD hatte eine Minimallösung vorgeschlagen, nach welcher das Landesgesundheitsministerium die Voraussetzungen für eine Beisetzung ohne Sarg in einer Verordnung festlegen sollte. Die Grünen hatten eine Änderung des Bestattungsrechts vorgesehen, welche auch die Verpflichtung der Friedhofsträger zur Bereitstellung von Leichenwaschräumen sowie zur Bereitstellung von Gräbern mit unbefristeter Ruhezeit vorsah.

Diese zusätzlichen Verpflichtungen den Friedhofsträgern, meistens den Kommunen, aufs Auge zu drücken, ging der FDP und den Freien Wählern zu weit. Dem SPD-Antrag hingegen hätte man zustimmen können, sagte der Freie-Wähler-Abgeordnete Joachim Hanisch. Aber man sei nun eben einmal Koalitionspartner der CSU, mit der man noch Gespräche führen wolle.

Keine unbegrenzte Ruhezeit

Die nach muslimischer aber auch jüdischer Tradition verlangte unbefristete Ruhezeit kollidiert derzeit in vielen Fällen mit den Belegungszeiten von Gräbern. SPD-Politiker Tasdelen sah darin keine unlösbare Bedingung, denn die Zahl der Erdbestattungen nehme ständig zugunsten von Urnenbeisetzungen ab – eine Einschätzung, die nicht allgemein geteilt wurde. Eine unbegrenzte Ruhezeit „geht gar nicht", meinte der CSU-Parlamentarier Gibis. Nach Ablauf der Ruhezeit müsse klar sein, wer für die weitere Grabbelegung aufkomme.

Die AfD lehnte jede Änderung der bestehenden Bestattungsrechtslage in Bayern ab. Man stehe für die Bewahrung der Traditionen ein, sagte deren Abgeordneter Jan Schiffers. SPD und Grünen warf Schiffers vor, sich vor den Karren der Islamverbände spannen zu lassen. Als Nächstes steht nach Einschätzung des AfD-Politikers die Einführung islamischer Feiertage in Bayern auf dem Plan: „Nicht mit uns.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen