Häuser von Sondengängern durchsucht: 26-Jähriger aus dem Kreis Biberach kommt in Haft

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Razzia: Waffen und Betäubungsmittel bei Durchsuchungen sichergestellt
Polizeieinsatz in mehreren Gemeinden in den Landkreisen Neu-Ulm, Dillingen und Biberach: Mit einem Großaufgebot wurden insgesamt neun Wohnungen durchsucht. Ermittelt wird gegen vier Menschen wegen Verstößen gegen das Waffen- sowie das Betäubungsmittelgesetz.
Schwäbische Zeitung
Deutsche Presse-Agentur

Scharfe Munition, Schlagringe und Drogen – unter anderem diese Gegenstände hat die Polizei sichergestellt, nachdem sie mehrere Wohnungen von sogenannten Sondengängern am Donnerstag in Schwaben durchsucht hatte. Ein 26-Jähriger aus dem Kreis Biberach kommt nun in Untersuchungshaft. Die Ermittler werfen ihm vor, mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge bewaffnet gehandelt zu haben.

Insgesamt durchsuchte die Polizei am Donnerstag neun Wohnungen in den Landkreisen Neu-Ulm, Biberach und Dillingen an der Donau. Mehrere Einheiten, darunter auch das Polizeirevier Laupheim und das Bayerische Landeskriminalamt (LKA), waren an der Operation beteiligt. Haupteinsatzort soll Bellenberg gewesen sein.

In Bellenberg fand am Donnerstagvormittag eine von neun zeitgleichen Durchsuchungsaktionen statt, weitere Durchsuchungen gab es
In Bellenberg fand am Donnerstagvormittag eine von neun zeitgleichen Durchsuchungsaktionen statt, weitere Durchsuchungen gab es in den Landkreisen Neu-Ulm, Biberach und Dillingen. (Foto: Thomas Heckmann)

Neben den Beweismitteln seien beispielsweise ein Weltkriegskarabiner, eine Leuchtpistole, eine Blindgänger-Handgranate sowie mehrere hundert Patronen „scharfer“ Munition sichergestellt, wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West mitteilte.

Diverse verbotene Waffen gefunden

Zudem seien die Beamten auf diverse verbotene Waffen wie Schlagringe, Springmesser, Butterflymesser und einen Gewehrgranataufsatz gestoßen. Auch mehrere hundert Gramm Marihuana und geringe Mengen Amphetamin fanden die Ermittler.

Während ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Biberach auf Antrag der Staatsanwaltschaft Memmingen in Untersuchungshaft genommen werden sollte, wurden die anderen Beschuldigten nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen entlassen.

Polizisten überqueren mit blauen Kisten in den Händen eine Straße
Polizeibeamte überqueren mit blauen Kisten in den Händen eine Straße. (Foto: Ralf Zwiebler / DPA)

Der 26-Jährige stammte aus einer kleinen Gemeinden im östlichen Kreisgebiet, wie die Polizei auf Nachfrage von "Schwäbische.de" bestätigte. Im Gegensatz zu den anderen Beschuldigten sei der Mann wegen der "Masse an Verstößen" in U-Haft genommen worden.   

In ihrer Mitteilung gab die Polizei auch einen Einblick, wie sie den mutmaßlichen Tätern auf die Schliche gekommen war. Ausgangspunkt der Ermittlungen war demnach ein Streit zwischen einem 29-Jährigen und einem 32-Jährigen in einer Whatsapp-Gruppe. Der 29-Jährige soll den älteren Mann aufgrund seiner politisch rechtsgerichteten Nachrichten kritisiert haben, woraufhin der 32-Jährige ihn beleidigte.

Der 29-Jährige nahm das nicht einfach hin, sondern wendete sich an die Polizei. So kamen die Ermittlungen ins Rollen, in deren Verlauf sich immer mehr herausstellte, dass Gruppenmitglieder ein Waffenarsenal daheim hatten.

Ermittlungen dauern schon länger an

So durchsuchten die Beamten bereits im November vergangenen Jahres die Wohnung eines 25-Jährigen in Altenstadt. Sie fanden nicht nur eine Pistole, sondern unter anderem auch eine größere Menge explosivfähiger Chemikalien zum Herstellen von Schwarzpulver sowie eine vollautomatische scharfe Maschinenpistole.

Damit waren die Ermittlungen aber nicht abgeschlossen und mündeten schließlich in die Durchsuchung von neun Wohnungen an diesem Donnerstag. Laut Mitteilung wurden diverse Betäubungsmittelgeschäfte, aber auch ein Diebstahl durch insgesamt 18 Beschuldigte vorwiegend aus dem Raum Illertal sowie weitere, derzeit noch unbekannte Täter bekannt. Fünf Personen werden Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vorgeworfen.

Sondengänger suchen in der Regel mit Metalldetektoren beispielsweise Flächen in der Natur nach Gegenständen ab. Manche finden dabei etwa alte Münzen oder Gegenstände aus Metall. Immer wieder entdecken Sondengänger auch gefährliche Weltkriegsmunition.

Die Ermittler gehen davon aus, dass einzelne Waffen tatsächlich beim Sondengehen entdeckt wurden. Die genaue Herkunft der sichergestellten Waffen müsse aber insgesamt noch überprüft werden.

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