Gymnasiasten in Bayern dürfen sich ihren Lehrplan bald selbst aussuchen

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Mann im Anzug spricht in ein Mikrofon
Michael Piazolo präsentierte die neue Oberstufe ab 2024. (Foto: dpa)
Ralf Müller

Vielfältig, aber auch kompliziert werden sich nach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe Oberstufe beim bayerischen Kultusministerium die Klassen 12 und 13 an den Gymnasien des Freistaats gestalten. Die Schüler haben künftig die Möglichkeit, einen Lehrplan nach eigenen Interessen zu wählen – allerdings nur, soweit die Kapazitäten ihrer Schule das zulassen.

Es gibt auch Pflichtfächer

Mit dem Konzept werde eine breite Allgemeinbildung gesichert, gleichzeitig aber auch mehr individuelle Wahlmöglichkeiten eröffnet, hob Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag hervor. Die ab dem Schuljahr 2024 kommende neue Oberstufe sieht für die beiden letzten Gymnasiumsklassen verpflichtend jeweils vier Wochenstunden in Deutsch und Mathematik sowie jeweils drei Wochenstunden in einem naturwissenschaftlichen Fach sowie einer Fremdsprache vor.

Verpflichtend ist auch die Wahl zwischen einer weiteren Fremdsprache, einem weiteren naturwissenschaftlichen Fach oder Informatik. Dieses Wahlpflichtfach wird auch jeweils drei Stunden in der Woche unterrichtet. Die Fächer Geschichte, Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Recht oder Geografie, Religionslehre oder Ethik, Musik oder Kunst belegen jeweils zwei Wochenstunden. In der 13. Klasse werden Politik und Gesellschaft sowie Wirtschaft und Recht/Geografie zusammengezogen.

Vertiefungskurse und Differenzierungsstunden

In den Kernfächern Deutsch und Mathematik können leistungsstarke und besonders interessierte Schüler in der Jahrgangsstufe 12 einen zwei Wochenstunden umfassenden „Vertiefungskurs“ zusätzlich buchen, der als Wahlpflichtfach gewertet wird. In der 13. Jahrgangsstufe besteht die Möglichkeit, zur Verstärkung der Kenntnisse in diesen beiden Fächern zusätzlich zwei Stunden umfassende „Differenzierungsstunden“ zu wählen.

Noch unklar: wie das Abitur aussieht 

Außerdem kann jedes weitere Fach durch zwei zusätzliche Wochenstunden zu einem dann wöchentlich vier Stunden umfassenden „Leistungsfach“ erweitert werden. Darüber hinaus kann ein „wissenschaftspropädeutisches Seminarfach (W-Seminar)“ gewählt werden. Die neue Oberstufe werde zu höherer Studienfähigkeit und zur Erweiterung der allgemeinen Hochschulreife führen, zeigte sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, überzeugt.

Allerdings müsse man noch eine Lösung für die Ausgestaltung der Abiturprüfung entwickeln. Alle dann denkbaren Leistungs-, Vertiefungs- und Differenzierungsmöglichkeiten könnten von einer Schule wohl nicht angeboten werden, sagte der Vorsitzende der Bayerischen Direktorenvereinigung Walter Baier. Es sei nicht ausgeschlossen, dass einzelne Kurse bei zu geringer Beteiligung entfallen müssten. Schulübergreifende Zusammenarbeit sei aber denkbar.

Lob für Stärkung der politischen Bildung

Die Vorsitzende der Landes-Elternvereinigung der Gymnasien in Bayern betonte die Stärkung der politischen Bildung in der neuen Oberstufe. Das mit zwei Stunden angesetzte Fach „Politik und Gesellschaft“ werde in den Jahrgangsstufen 12 und 13 fortgesetzt. Kein anderes Bundesland sehe so viele Pflichtstunden für politische Bildung vor, sagte Kultusminister Piazolo.

Die Zahl der Wochenstunden liegt im Vergleich zum noch praktizierten achtjährigen Gymnasium (G8) um zwei niedriger. Beim G8 haben die Schüler 33 Wochenstunden Pflichtunterricht.

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