Großer Erfolg für Kreneks Zwölfton-Oper „Karl V.“ in München

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Deutsche Presse-Agentur

Die Neuinszenierung von Ernst Kreneks selten gespielter Oper „Karl V.“ durch die katalanische Theatertruppe La Fura dels Baus ist am Sonntagabend im Münchner Nationaltheater gefeiert worden. Kein einziges Buh war zu vernehmen - und das, obwohl es sich nicht um eine süffige Verdi-Oper handelte, sondern die erste abendfüllende Zwölfton-Oper der Musikgeschichte.

Diese von Arnold Schönberg zu Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Kompositionstechnik verwirft die traditionelle Dur-Moll-Harmonik und ersetzt sie durch eine vom Komponisten zu schaffenden Reihe von zwölf Tönen, die gewissermaßen das Tonmaterial für die Komposition darstellt.

In Kreneks 1938 kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag uraufgeführtem mehr als zweistündigem Bühnenwerk legt der Habsburgerkaiser Karl V. (1500-1558) einem jungen Mönch kurz vor seinem Tod eine Lebensbeichte ab. Dabei erweist er sich als gescheiterter Visionär, der sein Weltreich, „in dem die Sonne nicht untergeht“, im katholischen Geiste vereinen wollte, doch einen von Glaubenskonflikten und aufkeimenden Nationalismen zerrissenen Kontinent hinterließ.

Die farbenprächtige, mit Videoprojektionen, pyrotechnischen Effekten und Zirkuskünsten angereicherte Inszenierung von La Fura dels Baus ist ein engagierter Kommentar zu den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Konflikten in Europa und der Welt. Die ganze Bühne ist mit Wasser geflutet, ein Symbol für die aus dem Weltall als verletzlicher „blauer Planet“ erscheinende Erde. In der letzten Szene, dem Tod Karls V., bilden vom Bühnenhimmel herabhängende Artisten eine Doppelhelix: die geometrische Erscheinungsform des humanen Genoms, das alle Menschen über Ländergrenzen und ethnische Unterschiede hinweg verbindet.

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