Feuerwehr wirbt mit Video für mehr Respekt

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Mit der Kampagne "Respekt? Ja, bitte!" wirbt die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft nun gegen Gewalt und Drohungen gegen Einsatzkräfte. (Foto: Screenshot/Youtube)
Schwäbische Zeitung

Zuletzt sahen sich Rettungs- und Einsatzkräfte in der Silvesternacht bundesweit Übergriffen ausgesetzt. Mit einem Video wirbt die bayerische Feuerwehr nun für mehr Respekt.

Maskierte Männer stürmen eine Feuerwache, nehmen einen Feuerwehrmann in den Schwitzkasten und prügeln auf ihn ein. "Wir wurden einfach gewürgt, von hinten zu Boden gerissen" - mit diesen dramatischen Bildern und Worten wirbt die Bayerische Feuerwehrgewerkschaft nun in einer Kampagne für mehr Respekt gegenüber Rettungskräften.

Gezeigt wird der etwa drei Minuten lange Film nicht nur im Internet, sondern in einer gekürzten Fassung in den nächsten Wochen auch in ausgewählten Kinos in Bayern. Auch wenn die Szenen gestellt sind - die Angst und Gewalt ist real.

"Ich kann mich an einen Fall erinnern, als ich von einem Patienten gewürgt wurde", sagt Feuerwehrmann Siegfried Maier.  "Im ersten Moment hatte ich Todesangst", beschreibt Maier seine Gefühle von damals, als er die blutverschmierten Hände an seinem Hals spürte. Was er damals noch nicht wusste: Der Angreifer war mit Hepatitis infiziert.

Zuletzt hatte es vielerorts in der Silvesternacht Übergriffe auf Feuerwehrleute, Sanitäter oder Polizisten gegeben. Immer wieder werden Einsatzkräfte dabei verletzt. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Bundesfachgruppe Feuerwehr, seien mehr als 90 Prozent der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst bereits Opfer von Angriffen oder Bedrohung geworden.  

Justiz gefordert

"Die Justiz muss bei Übergriffen härter Durchgreifen", fordert Maier, seit 1995 bei der Feuerwehr München im Rettungsdienst und Landesvorsitzender der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG) in Bayern. Bislang würden viele Fälle wegen mangelnden öffentlichen Interesse nicht verfolgt, kritisiert er. "Das ist dann für viele Kollegen sprichwörtlich ein zweiter Faustschlag", sagt Maier.

Damit sich das ändere, habe die  Gewerkschaft nun die Kampagne "Respekt? Ja, bitte!" gestartet. Sie ist Teil eines Video-Projektes, das in ähnlicher Form unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Sachsen bereits auf das Problem aufmerksam gemacht hat.

Die Politik hat inzwischen reagiert. Im April vergangenen Jahres verschärfte der Bundestag die Strafen für Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte. Seitdem sind Haftstrafen von bis zu fünf Jahren möglich. 

Auch wenn Maier es prinzipiell begrüßt, dass das Thema auf der politischen Agenda steht, findet er zugleich mahnende Worte: "Gesetzesverschärfungen bringen nichts, wenn sie nicht durchgesetzt werden".

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