Für die Kreuznet-Hintermänner wird es eng

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Für die Kreuznet-Hintermänner wird es eng (Foto: Screenshot)
Schwäbische Zeitung
Michael Lehner

Unter rechtslastigen Kirchenmännern geht die Angst um: Die Staatsanwaltschaft hat nun konkrete, namentliche Hinweise auf Autoren des Internet-Hetzportals kreuz.net, die angeblich im Dienst der Kirche stehen oder standen. Die Betroffenen, die meisten aus Österreich, der Schweiz und Süddeutschland, bestreiten ihre Mitarbeit bei kreuz.net. Gelingt der Gegenbeweis, müssen sie mit harten Konsequenzen der Kirchen rechnen.

Bisher ging es fast ausschließlich um Autoren, die mehrfach unter ihrem vollen Namen auf dem ultrakonservativen Internet-Portal Texte veröffentlicht haben. Und bisher reden sich alle Betroffenen darauf heraus, dass diese Veröffentlichungen ohne ihr Zutun zustande kamen. Dies gilt auch für den Leiter einer evangelischen Privatschule in München.

Geklärt scheint auch der Fall eines Religionslehrers aus dem Bistum Limburg, dem seine Diözese bereits vor zwei Jahren verboten hat, weiterhin auf kreuz.net zu publizieren. Zur straf-und kirchenrechtlichen Problematik gehört, dass ein großer Teil der namentlich gekennzeichneten Beiträge vor vielen Jahren erschien – also noch vor der Zeit, in der das Internet-Portal zunehmend gegen Andersgläubige, Homosexuelle und romtreue Kirchenmänner zu polemisieren begann.

Spezialisten ermitteln

Seit dem offenen Bruch zwischen der Amtskirche und kreuz.net, das auch als Sprachrohr von Anhängern der schismatischen Pius-Bruderschaft dient, schreiben die meisten Autoren unter Decknamen. Aber auch sie müssen sich nun fürchten: Auf Kriminalfälle spezialisierte Sprachwissenschaftler können Texte mit typischen Redewendungen und Eigenheiten des Satzbaus sehr genau zuordnen.

Zuverlässigen Informationen zufolge sind solche Untersuchungen bereits im Gange – und betroffen sind auch hochrangige Kirchenmänner, vor allem aus Österreich. Die Deutsche Bischofskonferenz hat angekündigt, die betroffenen Diözesen über Verdachtsfälle zu informieren. Außerdem forscht eine Internet-Gemeinde mit mehreren hundert Aktivisten für das Portal Stoppt Kreuznet nach Autoren und Urhebern des Hetz-Portals..

Seit den Skandal-Schlagzeilen um die Hetze gegen den verstorbenen Schauspieler Dirk Bach und dessen Homosexualität fließen anhaltend Spendengelder für die Internet-Fahnder. Nach eigenen Angaben ist es ihnen gelungen, kreuz.net so in die Enge zu treiben, dass das Portal bereits bis zu dreimal täglich seine Internet-Dienstleister wechseln musste – meistens Adressen auf den Bahamas oder auch in Panama.

Spuren führen nach Österreich

Bemerkenswert ist, dass auch die neuen Spuren auf Verbindungen in den Großraum Wien deuten, wo der erzkonservative Bischof Kurt Krenn auch dann noch die besondere Sympathie von kreuz.net genoss, als ein vertuschter Kinderpornografie-Skandal in seinem Priesterseminar ruchbar wurde. Spekuliert wird zudem über mögliche Verbindungen zu betont konservativen katholischen Gruppierungen und Priester-Arbeitskreisen – wobei es, wie bereits erwähnt, überwiegend um lange zurückliegende Kontakte geht.

Den Umstand, dass die Zahl der Kreuznet-Leser aus dem Bistum Augsburg auffallend hoch sein soll, hat ein Sprecher des Ordinariats gegenüber der Augsburger Allgemeinen Zeitung mit der Größe des Bistums erklärt.

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