Explosion: Retter können Vater und siebenjährige Tochter nur tot bergen

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Deutsche Presse-Agentur

Nach einer Explosion in einem Wohnhaus im Ostallgäu haben die Rettungskräfte am Montagmorgen nun auch das siebenjährige Mädchen in den Trümmern gefunden. Sie konnte laut Sohrab Taheri, Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes, nur tot geborgen werden.

Mehr als 300 Rettungskräfte waren die gesamte Nacht im Einsatz und suchten fieberhaft nach den Vermissten. Gegen 1 Uhr nachts bargen Helfer in der Ruine einen 42-jährigen Mann, bei dem es sich um den Vater des Mädchens handeln könnte, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

Am Sonntag hatten Einsatzkräfte die 39 Jahre alte Mutter des Mädchens und Ehefrau des Vermissten schwer verletzt aus den Trümmern gerettet. Mittlerweile verkündete das Bayerische Rote Kreuz das Einsatzende.

Wo einst das Haus stand, lag nur noch ein Haufen aus Steinen und Balken. Taheri sagt: „Dort liegen überall riesige Trümmer verteilt, auch mehrere 100 Meter weiter.“

Das Dach des Hauses war bis auf den Boden gestürzt. Insgesamt 340 Retter arbeiteten teilweise mit bloßen Händen bei der Suche nach den Verschütteten. 

In der Nacht dringen die Helfer zur Erdgeschoss-Decke vor.

„An der Einsatzstelle herrscht eine besondere und ungewöhnliche Stille. Sonst sind Einsatzorte eher laute Orte. Für die vielen erfahrenen, aber ehrenamtlichen Einsatzkräfte vor Ort ist dies ein besonders kräftezehrender Einsatz“, erklärt der BRK-Sprecher. Der Einsatz sei eine extreme Belastung gewesen, die die ehrenamtlichen Helfer in ihrer Freizeit auf sich nehmen würden.

Die Menschen vor Ort seien sehr betroffen gewesen, viele hätten Tränen in den Augen gehabt. Sie seien aber auch sehr hilfsbereit gewesen. Nachbarn hätten in den Morgenstunden Semmeln und Brote belegt und unter Helfern und Anwesenden verteilt. 

Die Ursache des Unglücks ist nach wie vor unklar. Vermutungen, es könnte sich um eine Gas-Explosion handeln, wurden von der Polizei zunächst nicht bestätigt.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand war es keine Gas-Explosion. Das Haus hatte nicht einmal einen Gasanschluss.

BRK-Sprecher

Laut Angaben des BRK-Sprechers werde eine Gas-Explosion zur Stunde sogar weitgehend ausgeschlossen: „Nach dem bisherigen Kenntnisstand war es keine Gasexplosion. Das Haus hatte nicht einmal einen Gasanschluss.“

Das Technische Hilfswerk baute Scheinwerfer auf, um die Unglücksstelle ausleuchten zu können. Neben Spürhunden waren auch Spezialisten mit einer Kamerasonde und insgesamt vier Hubschrauber im Einsatz. Nach der Räumung von Resten des Daches mit schwerem Gerät mussten sich die Helfer mit den Händen weiter vorarbeiten. Um die 50 Helfer blieben die ganze Nacht über im Einsatz.

Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um Betroffene und Anwohner. Die Detonation war so heftig, dass sie ein angrenzendes Haus schwer und zwei weitere Häuser leicht beschädigte. 15 Nachbarn mussten ihre Wohnungen verlassen und wurden zum Teil in Ersatzquartieren untergebracht.

Zunächst hatte die Polizei befürchtet, dass bei der Explosion sogar sieben Menschen verschüttet worden sein könnten - denn so viele Menschen waren als wohnhaft in dem Haus gemeldet. Neben der Siebenjährigen lebten auch die beiden Söhne der 39-Jährigen und des 42-Jährigen in dem Haus, sie waren zum Zeitpunkt der Explosion aber nicht dort. Außerdem war in dem Haus ein kinderloses Paar gemeldet, tatsächlich lebt aber nur noch eine Frau dort, die ebenfalls nicht zu Hause war, als es zu der Explosion kam.

Ein Trümmersuchhund bei der Suche. (Foto: br)

Das Geschehen vor Ort scheint für die Einsatzkräfte und die Menschen vor Ort eine sehr große Belastung zu sein: „Das ist – neben dem tragischen Busunfall auf der A9 mit 18 Toten im Jahr 2017 – einer der dramatischsten Einsätze, die ich bislang erleben durfte“, erklärt der BRK-Sprecher. Unter anderem deshalb sind auch spezielle Interventionsteam für Krisen in Rettenbach im Einsatz.

Ein Sprecher der Polizei im Interview vor Ort.
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