Erste vegetarische Berghütte: Wir waren da

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Hüttenwirtin Silvia Beyer
Hüttenwirtin Silvia Beyer (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Fleischlose Kost auf 1180 Meter Seehöhe: Mit der ersten vegetarischen Berghütte der Alpen hat Silvia Beyer aus Nesselwang sich einen Traum erfüllt. Ulrich Mendelin hat mit der Wirtin der Hündleskopfhütte im Ostallgäu gesprochen.

Frau Beyer, sind Sie eigentlich sicher, dass Ihre Berghütte wirklich die einzige in den Alpen ist, die nur vegetarisches Essen anbietet?

Ich habe das recherchiert und ich habe da nichts gefunden. Da dachte ich, ich nenne meine Hütte jetzt erst mal so. Und aus den Bergen ist noch kein Echo gekommen.

Macht vegetarisches Essen denn satt nach einem Aufstieg – oder gab es schon Wanderer, die eine Speckplatte eingefordert haben?

Na, gar nicht. Meine Freunde haben gesagt: Biete wenigstens einen Leberkäse an! Oder Landjäger! Aber es war richtig so. Ich bekomme ein tolles Feedback. Die Gäste freuen sich und finden es schön, dass es so was auch gibt. Klar, flachst man auch schon mal. Dann sagen die Leut’ halt, ich trinke drei Weizen. Das macht genauso satt wie ein Schnitzel.

Sie bieten auf der Hütte Allgäuer Kost an. Geht das denn überhaupt ohne Fleisch?

Ich nenne das Heimatküche. Da gibt es zum Beispiel Ziegernudeln, die werden mit Quark gemacht. Bratkartoffeln, die lieben die Leute. Rösti. Hausgemachte Flädle. Oder Kaiserschmarrn, frisch gemacht ist der nicht so gängig auf Hütten, der blockiert den Herd eine Weile. Aber was anderes als frisch kommt für mich gar nicht infrage. Oder nehmen Sie Krautkrapfen...

Schmecken die nicht fad ohne Speck?

Nicht mit Kräutersalz und frischem Pfeffer aus der Mühle, mit einem Schuss Wein oder Essig. Und beim Kraut selbst macht es einen Unterschied, ob es im Zehn-Kilo-Topf aus der Industrieverarbeitung kommt oder vom Biohof. So macht mir das Kochen Spaß, und für mich ist klar, dass ich es auch auf der Hütte so und nicht anders mache.

Und das klappt auch alles in einer kleinen Hüttenküche?

Bei der Suche nach einem veganen Angebot musste ich erst einmal herumprobieren, was überhaupt geht bei dem kleinen Ofen, bei dem das Gas nur von unten kommt. Jetzt biete ich Zucchini-Lasagne an, mit Mandelmus und dünn geschnittenen Zucchini, die die Nudelschichten ersetzen. Die Nachfrage nach veganem Essen ist übrigens sehr groß, das hätte ich gar nicht gedacht.

Abgesehen von der veganen Zucchini-Lasagne sind Eier oder Milch aber schon erlaubt?

Na klar. Eine vegetarische Hütte in den Alpen, das geht. Eine vegane Hütte wäre Harakiri.

Die Hündleskopfhütte ist ganzjährig geöffnet: Mittwoch und Donnerstag von 11 bis 21 Uhr, Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Vom ist sie in etwa 45 Minuten Gehzeit erreichbar.

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