Erste Trauben für Federweißen aus Franken geerntet

Lesedauer: 4 Min
Trauben liegen in einem Eimer
Trauben liegen nach der Ernte in einem Eimer. (Foto: Daniel Karmann / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

So früh wie nie zuvor sind in Franken die ersten Trauben für den Federweißen gelesen worden. „Die Trauben waren reif. Man kann sie dann nicht länger hängen lassen. Sonst gehen Wespen, Bienen und Hornissen drauf und dann ist nichts mehr da zum Ernten. Auch der Dachs kennt die Weinberge ganz genau“, sagte Winzer Marcus Hegwein aus Markt Einersheim (Landkreis Kitzingen) der Deutschen Presse-Agentur. Etwa ein Zehntel ihrer Weinbergsflächen hat die Winzerfamilie damit bereits gelesen. Zuvor hatten mehrere Medien über den frühen Lesestart berichtet.

Die Weißwein-Sorte Ortega wird üblicherweise als erstes von den Rebstöcken geschnitten und zu Federweißem und Traubensaft gepresst. Danach folgen die Sorten Bacchus und Müller-Thurgau. Federweißer ist noch kein Wein im klassischen Sinne. Er ist vielmehr vergorener Traubenmost. Etwa fünf bis acht Tage nach der Lese ist der ungefilterte Federweiße trinkfertig. „Letztlich ist der Federweiße ein Produkt zwischen Saft und Wein. Das ist der erste Kontakt zum neuen Jahrgang, der aber noch nicht dessen Weinausprägung zeigt. Er sagt noch nichts über die Qualität des Jahrgangs aus“, sagte der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann, dazu.

Die Lese der Hegweins aus Markt Einersheim sei ein Einzelfall; der Großteil der fränkischen Winzer werde erst in etwa zwei Wochen mit der Weinlese beginnen, so Steinmann weiter. „Aber auch das ist so früh wie nie zuvor.“ Das warme Frühjahr und der heiße Somer haben die Trauben früh reif werden lassen. „Das wird einen schmackhaften Federweißen geben.“

Optimal sei die frühe Lese für den Federweißen dennoch nicht. Der Grund: Bei der derzeitigen Hitze findet er möglicherweise kaum Abnehmer. „Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, dass jemand im August einen Federweißen braucht. Dafür brauche ich eigentlich Herbststimmung“, sagte Steinmann. Wirtschaftlich gesehen sei es aber gut, dass die Franken schon im August und nicht erst spät im September mit dem Produkt in die Supermärkte kommen - so können sie sich leichter gegen die Konkurrenz aus Südeuropa durchsetzen.

Der Weinbaupräsident hofft nun auf einen 30-Liter-Regenguss in Kombination mit warmen, trockenen Tagen und kühlen Nächten. „Dann könnten die Trauben schön langsam reifen und bekämen eine schöne Fruchtausprägung.“ Kritisch werde es nur, wenn zur Wärme auch dauerhafte Feuchtigkeit käme. Damit hätten Schädlinge wie die Kirschessigfliege beste Bedingungen. „Die nächsten drei, vier Wochen werden unglaublich spannend. Das ist wie das Finale beim Fußballspielen“, sagte Steinmann dazu.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen