Doppelmörder soll in Psychiatrie

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 Der Angeklagte (rechts) nahm den Urteilsspruch regungslos hin.
Der Angeklagte (rechts) nahm den Urteilsspruch regungslos hin. (Foto: Patrick Stäbler)
Patrick Stäbler

München - Die letzten Worte im Leben von Alexandra F. lauteten: „Was machst du da?“ Zumindest wollen Nachbarn diesen Satz aus der Wohnung von Frank H. vernommen haben. Der Meteorologe aus Petershausen nördlich von München hatte die 41-Jährige und ihre Freundin Margit A. (40) zu sich nach Hause eingeladen. Die drei kannten sich aus dem Caritas-Zentrum Dachau, hatten sich zuvor zu Spieleabenden und Ausflügen getroffen. An dem betreffenden Samstag vor gut einem Jahr wollte man auf eine Faschingsparty gehen – das dachten zumindest die Frauen.

Frank H. hingegen hatte etwas anderes vor, etwas Grausames, das den Vorstellungsrahmen sprengt und sich nur schwer mit diesem schmalen Mann mit dem schütteren Haar und der Brille zusammenbringen lässt. Doch der 54-jährige Wetterexperte hat die zwei Freundinnen gewürgt, gequält und getötet, sie vergewaltigt und ihre Leichen geschändet. Wegen zweifachen Mordes und Störung der Totenruhe ist er am Mittwoch zu einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren verurteilt worden. Zudem ordnete das Landgericht München die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Keine Regung bei Frank H.

Das Urteil vernimmt Frank H. mit geschlossenen Augen. Auch danach, als Richter Thomas Bott den Tathergang noch mal in all seiner Grausamkeit schildert, zeigt der 54-Jährige kaum eine Regung; nur leise schüttelt er hin und wieder den Kopf, schluckt schwer, schnauft tief. Der Angeklagte leide unter einer schweren Persönlichkeits- und Sexualstörung, die sich in Form von Sadismus äußere, erklärt der Richter in der Urteilsbegründung. „Sein sexuelles Empfinden ist mit Gewaltfantasien gegen Frauen verknüpft.“

Ein friedlicher Patient

Fast zwei Jahrzehnte lang war Frank H. in psychologischer und psychiatrischer Behandlung. Doch weil er dort seine düsteren Gedanken nicht preisgab, „wurde der Kern der Störung nie behandelt“, so der Richter. Eine Psychiaterin, die im Prozess als Zeugin auftrat, nannte den 54-Jährigen gar „einen der friedlichsten Patienten“, den sie je erlebt habe.

Dieser vermeintlich friedfertige Mensch wurde am Tattag jedoch zum Monster, nachdem er die zwei Frauen mit einem Schlafmittel – gemischt in Whisky-Sahne-Likör – betäubt hatte. Er quälte und missbrauchte die Frauen auf die brutalste Art und Weise.

Wegen seiner Persönlichkeitsstörung sei Frank H. zur Tatzeit „vermindert schuldfähig“ gewesen, sagt Richter Thomas Bott. Aus diesem Grund habe man sich gegen eine lebenslange Freiheitsstrafe entschieden, wie sie sonst meist bei Mord verhängt wird. „Es war eine knappe Entscheidung“, räumt der Richter ein. „Aber die Kammer hat den krankheitsbedingten Aspekt etwas im Vordergrund gesehen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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