Digitalisierung im Tourismus angemahnt

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Sommerbadespaß auf dem Großen Alpsee bei Immenstadt: Das Allgäu zog 2016 so viele Touristen an wie nie zuvor.
Sommerbadespaß auf dem Großen Alpsee bei Immenstadt: Das Allgäu zog 2016 so viele Touristen an wie nie zuvor. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Das Tourismusgeschäft im Allgäu sollte dringend digitalisiert werden. Dies hat der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) am Freitag angemahnt. Er war Hauptredner des diesjährigen Tourismusgipfels für den Bezirk Schwaben in der Mittelstation der Oberstdorfer Fellhornbahn. Veranstaltet wird er traditionell vom Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben.

Nicht dass es mit dem Tourismus im Allgäu oder insgesamt in Bayerisch-Schwaben abwärts ginge, betonte Pschierer vor geladenen Gästen. Er verwies darauf, dass etwa das Allgäu im vergangenen Jahr Rekordzahlen verzeichnen konnte. So wurden 12,6 Millionen Übernachtungen gezählt, mehr als 800 000 im Vergleich zum Vorjahr. Bei Gästeankünften wurde eine Steigerung von 6,5 Prozent erzielt. Insgesamt kamen 3,6 Millionen Touristen ins Allgäu.

Konkurrenz schläft nicht

Pschierer sieht bei der Digitalisierung jedoch ein teilweise schleppendes Vorgehen der Betriebe. Er warnte: „Die Konkurrenz schläft aber nicht.“ Datenautobahn, schnelles Internet, WLAN für seine Gäste heutzutage unverzichtbar. Pschierer forderte die Touristiker auf, „Buchungsplattformen besser zu nutzen“. Er empfahl allen Betrieben „digitale Vertriebssysteme“.

Christian Dosch vom Digitalen Gründerzentrum Schwaben/Allgäu zeigte den Anwesenden, was inzwischen im Tourismusbereich alles gemacht wird. Systeme für „virtuelle Realität“ kämen zum Einsatz. Gäste könnten sich dann mit entsprechenden Brillen Orte ansehen, wie sie sich beispielsweise im Winter darstellen. Wie Dosch erklärte, ist es auch möglich, digitale Filme über die Vergangenheit eines Schauplatzes einzuspielen. Der Tourist steht dann mit seiner Brille mitten in einer historischen Szene.

Laut Dosch ermöglicht eine digitale Verknüpfung auch das Bereitstellen eines individuellen Reiseleiters. Aus Israel erwähnte er ein Programm, das die Kontaktaufnahme zu den Einheimischen erleichtert. Das anwesende Publikum staunte durchaus.

Als weitere Rednerin fügte Elisabeth Hiltermann an, dass heutige Versäumnisse in solchen Service-Bereichen zu sinkenden Urlauberzahlen in der Zukunft führen könnten. Sie ist Geschäftsführerin der Tourismusberatungsgesellschaft Kohl & Partner mit Sitz in München. Hiltermann machte auf die starke, gewachsene Flexibilität der Kundschaft aufmerksam. Der Gast sei zunehmend mobil. Die früher oft feststellbare Treue zu einer Destination schwinde. Dies mache ein verstärktes Werben um die Menschen nötig.

Trend zur Elektromobilität

Für Wirtschaftsstaatssekretär Pschierer wiederum gehört dazu auch mehr Engagement in die Elektromobilität. „Noch vor zwei Jahren habe ich dies nicht so richtig ernst genommen“, meinte er. Nun sei der Umgang mit E-Bikes selbstverständlich. Auch ältere Leute wollten nun mit dem Rad in Bereiche vorstoßen, die ihnen vorher verschlossen gewesen seien. Des Weiteren, so Pschierer, werde die Zahl der Elektroautos steigen. Der Freistaat wolle darauf mit dem verstärkten Aufbau eines Netzes von Ladestationen reagieren. Gegenwärtig gebe es bayernweit 1600. In drei Jahren solle ihre Zahl aber auf 7000 gesteigert werden.

Weitere Punkte, die Pschierer anschnitt, waren hingegen konventionell. Er betonte, das Wirtschaftsministerium wolle an „der Förderung von Beschneiungsanlagen festhalten“. Sie sind unter anderem wegen des Wasser- und Energieverbrauchs umstritten. Pschierer brach zudem eine Lanze für den Ausbau von Liften und Seilbahnen. Einmal mehr betonte er im Fortgang seiner Rede, dass der auf sieben Prozent ermäßigte Mehrwertsteuersatz im Tourismusbereich beibehalten werden solle. Außerhalb dieses Sektors wird er immer wieder abgelehnt.

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