Diese Corona-Maßnahmen werden in Bayern gelockert

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Hochzeitspaar mit Blumenstrauß
Für Veranstaltungen mit absehbarem Teilnehmerkreis, wie zum Beispiel Hochzeiten, gibt es ab Montag wieder grünes Licht, sofern nicht mehr als 50 Personen (im Freien maximal 100) zusammenkommen. (Foto: Sina Schuldt/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Ralf Müller

Die Corona-Pandemie ist in Bayern keine Katastrophe mehr. Der bayerische Ministerrat beschloss am Dienstag in München, den am 16. März ausgerufenen Katastrophenfall für den gesamten Freistaat aufzuheben. Gleichzeitig werden die Kontaktbeschränkungen weiter gelockert, aber nicht grundsätzlich aufgehoben. Die für bestimmte öffentliche Bereiche angeordnete Maskenpflicht bleibe bestehen, betonte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Das gelte auch für das Abstandsgebot: „Corona ist nicht vorbei.“ Es gelte noch viele Hürden zu nehmen, „bis alles so ist wie es einmal war“.

Nach wie vor darf sich in Bayern nicht jeder mit jedem Beliebigen in großer Zahl treffen, aber ab heute (Mittwoch) sind Gruppen mit bis zu zehn Personen erlaubt, unabhängig von der Zugehörigkeit zu Familien oder Hausständen. Bei privaten Zusammenkünften zu Hause gilt keine Beschränkung auf einen festen Personenkreis oder auf eine bestimmte Zahl, wenn die „allgemeinen Grundsätze“ des Mindestabstands eingehalten werden. Mussten die Betreiber bisher darauf achten, dass in Geschäften, Freizeitstätten und Kultureinrichtungen jedem Besucher wenigstens 20 Quadratmeter an Platz zur Verfügung stehen, so hält man jetzt zehn Quadratmeter für ausreichend. Die Zehn-Personen-Regelung werde für eine bessere Auslastung der Gastronomie sorgen und die Verringerung des Platzbedarfs dem Einzelhandel nutzen, erwartet Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Die Sperrstunde für die Innen- wie Außengastronomie wird um eine Stunde auf 23 Uhr verlängert.

Weil sich das Infektionsgeschehen in Bayern günstig gestaltet, sind ab kommenden Montag Kunst- und Kulturveranstaltung mit bis zu 100 Personen in Innenräumen und bis zu 200 Gästen draußen wieder möglich. Erlaubt ist dann auch wieder der Chorgesang bei einem Mindestabstand von zwei Metern. Von zwei auf 1,50 Meter reduziert wird der für Kirchen, Synagogen und Moscheen vorgeschriebene Mindestabstand zwischen den Gläubigen. Eine kleine Erleichterung gibt es für Beschäftigte an Kassen und Rezeptionen: Wenn es eine Plexiglasscheibe gibt, dürfen sie ihren Mund-Nase-Schutz ablegen.

Darauf haben viele gewartet: Für Veranstaltungen mit einem „absehbaren Teilnehmerkreis“ wie Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstage, Schulabschlussfeiern oder Vereinssitzungen gibt es ab kommenden Montag wieder grünes Licht, sofern in Innenräumen nicht mehr als 50 und im Freien nicht mehr als 100 Personen zusammenkommen. Ob der Münchener Christkindlmarkt in diesem Jahr stattfinden kann, ließ Söder offen: „Kann ich heute nicht einschätzen.“ Das Münchner Oktoberfest wurde bereits vor Wochen abgeblasen.

Hallenschwimmbäder, Saunen und andere Wellnessbereiche dürfen unter Hygieneauflagen ab Montag den Betrieb aufnehmen. Damit kommt die Söder-Regierung einem dringenden Wunsch der heimischen Hotellerie nach, die sich gegenüber Österreich benachteiligt sieht. Auch die Benutzung der sanitären Anlagen auf Campingplätzen wird erlaubt, sodass Urlauber ohne eigenes Bad im Wohnmobil dort wieder Station machen dürfen. Reisebusse dürfen wieder voll besetzt werden, allerdings gilt nach wie vor Maskenpflicht. Auch Reisegruppen werden erlaubt. Die bisher geltende Obergrenze von 20 Personen für den Lehrgangsbetrieb im Sport werden aufgehoben.

Ab 1. Juli gibt es für alle Eltern endlich die erhoffte Entlastung: Ab diesem Termin können alle Kinder wieder Kitas besuchen. Den Regelbetrieb für alle Schüler und Schularten sagte Söder dagegen erst mit Beginn des neuen Schuljahres im September zu. Lehrer und Erzieher, die es wünschen, können sich auch ohne Symptome regelmäßigen Corona-Tests unterziehen. Man bereite dies auch für die Angehörigen von Polizei und Justiz vor, sagte Söder. Die bisher geltenden sehr strengen Besuchsregelungen für Alten- und Pflegeheime sollen ebenfalls gelockert werden. Einzelfallbezogene Konzepte sollen die Träger mit den Gesundheitsbehörden vor Ort erarbeiten.

Differenzen um den Fahrplan für die Lockerungen zwischen den Koalitionspartnern CSU und Freien Wählern spielten deren Vorsitzende Söder und Aiwanger herunter, dementierten sie aber nicht. Es zögen gelegentlich Gewitterwolken auf, sagte Söder: „Wichtig ist, dass am Ende die Sonne wieder aufgeht.“ Bei der Gestaltung der Lockerungen wolle man nicht einfach Lobbying betreiben. Auch wenn in Bayern gerade noch 860 Personen oder 0,007 Prozent der Bevölkerung an Covid-19 erkrankt seien, sei „Vorsicht die einzig echte Therapie“. Söder warnte vor der „falschen Hoffnung, dass Corona erledigt ist“. Eine zweite Welle sei jederzeit möglich.

Zur Unterstützung der Kommunen in der Corona-Krise verdoppelt der Freistaat in diesem Jahr die Finanzhilfen des Bundes. „Das heißt, die bayerischen Kommunen können in diesem Jahr mit rund vier Milliarden Euro zusätzlich rechnen“, sagte Söder.

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