Die Technik hilft ihnen: Autodiebe fahren auf Luxuswagen ab

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Keyless-Go als Diebstahlrisiko
Ein Mann drückt den Start-Stop-Knopf eines BMW. (Foto: Matthias Balk/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Autodiebe haben es in Bayern zunehmend auf Fahrzeuge mit einem bestimmten Schließmechanismus abgesehen. Das „Keyless-Go“-System habe sich zu einem Einfallstor für Kriminelle entwickelt, erklärte Fabian Puchelt vom bayerischen Landeskriminalamt in München. Damit können Autobesitzer ihre Wagen entriegeln und starten, ohne den Schlüssel in die Hand nehmen zu müssen. Diese moderne Technik habe sich zu einem Einfallstor für Kriminelle entwickelt. Der ADAC fordert die Hersteller auf, die Fahrzeuge besser zu schützen.

Noch vor einigen Jahren hätten Kriminelle auch „normale Mittelklassewagen“ aufgebrochen und gestohlen, sagte Puchelt. „Wir merken, dass hochpreisige Fahrzeuge in den Fokus rücken.“ Dazu zählen größere Modelle von Audi, BMW, und Mercedes-Benz sowie Porsche oder Land Rover.

Ein Grund dafür ist, dass sich der Aufwand, also der Diebstahl selbst und der Weiterverkauf etwa in osteuropäischen Ländern, bei günstigeren Fahrzeugen aus Sicht der Diebe nicht lohnt. Und: Moderne Techniken wie das „Keyless Go“-System ermöglichten es ihnen, ohne großes Risiko, also etwa ohne lautstark eine Scheibe einschlagen zu müssen, Zugang zu den Fahrzeugen zu bekommen, erklärt Puchelt.

Bei der Technik erkennt das Fahrzeug den Schlüssel, wenn er sich in unmittelbarer Nähe befindet - auch in der Hosentasche des Fahrers. Die Tür lässt sich dann öffnen und der Motor mit dem Startknopf anlassen. Kriminelle tricksen den Schlüssel mit selbstgebauten Sendern und Empfängern aus, indem sie die Reichweite des Funksignals verlängern. Wird ein Autoschlüssel etwa direkt hinter der Wohnungstür abgelegt, kann einer der Diebe sein Funksignal abfangen und zum Empfänger des Komplizen weiterleiten, der in der Nähe des Wagens wartet. So erklärt es der ADAC.

Den Schlüssel in Alufolie zu wickeln, kann schützen. „Aber das kann doch nicht die Lösung sein“, sagte ADAC-Sprecherin Melanie Mikulla. Die Hersteller müssten die Fahrzeugelektronik sicherer machen - bisher sei das unter den vom ADAC getesteten Wagen nur beim Landrover Discovery gelungen.

Zu den neueren Methoden der Diebe zählt auch das sogenannte Homejacking: Dabei brechen sie ins Haus oder in die Wohnung ein, um dort den Autoschlüssel zu stehlen. Diese Variante kam auf, als Wegfahrsperren in neuere Wagenmodelle eingebaut wurden - da wurde es für Diebe schwieriger, Autos ohne Originalschlüssel zu stehlen.

Immerhin: Die Zahl der Autodiebstähle geht in Bayern insgesamt zurück. Zwischen 2014 und 2016 hatte es laut Polizei noch einen kontinuierlichen Anstieg gegeben. Vor zwei Jahren kamen 914 Fahrzeuge „dauerhaft abhanden“, wie es beim LKA heißt. 2017 waren es nur noch 857 - und die Polizei erwartet auch für das laufende Jahr einen Rückgang. Das liege auch daran, dass spezielle Fahndungseinheiten bei der Polizei verstärkt Kontrollen durchführten, erläuterte Puchelt.

Die Täter kommen überwiegend aus Osteuropa und gehen in der Regel bandenmäßig vor. Die Struktur der Gruppen: Observation, Diebstahl, Kurier, Logistiker, Bandenchef. Ballungsräume sind laut Polizei traditionell die Metropolen München und Nürnberg. Auffallend viele Diebstähle etwa in Oberfranken oder in der Oberpfalz beobachten die Ermittler trotz der Nähe zu Polen und Tschechien nicht.

Informationen des ADAC zur Keyless-Technik

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