DGB beklagt 139 Millionen unbezahlte Überstunden in Bayern

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 Mann im Anzug
Bayerns DGB-Landesvorsitzender Matthias Jena wirft den Arbeitgebern vor, den bayerischen Arbeitnehmern unbezahlte Überstunden aufzubrummen. (Foto: dpa)
rm und Ralf Müller

Bayerns Beschäftigte haben nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) im vergangenen Jahr mehr als 139Millionen unbezahlte Überstunden angehäuft. „Bayerns Arbeitgeber klauen den Beschäftigten Jahr für Jahr Zeit und Geld“, kritisierte der DGB-Landesvorsitzende Matthias Jena am Dienstag. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) wies den Vorwurf als absurd und die Berechnungen als wenig seriös zurück: Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien in den letzten zehn Jahren um 27 Prozent gestiegen, so vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Durch die unbezahlten Überstunden seien den Arbeitnehmern brutto etwa vier Milliarden Euro entgangen. Dazu kämen etwa 1,5Milliarden Euro an nicht entrichteten Sozialversicherungsbeiträgen, rechnete Jena vor. Es sei gut, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) die EU-Mitgliedstaaten jetzt angehalten habe, die Unternehmen zum systematischen Erfassen der Arbeitszeiten zu verpflichten. Transparenz, so der DGB-Landeschef, sei der erste Schritt, um von dem riesigen Überstundenberg herunterzukommen: „Für die Zeiterfassung müssen jetzt Lösungen her.“

Der Arbeitgeber-Dachverband vbw bewertet die Entscheidung des EuGH zur Arbeitszeit anders: Die Antwort auf die Digitalisierung und die Arbeitswelt 4.0 könne nicht die flächendeckende Rückkehr zur Stechuhr und zur Wiedereinführung der Arbeitszeiterfassung 1.0 sein, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Brossardt.

Jena verwies auf den Zusammenhang zwischen unbezahlter Mehrarbeit und Tarifbindung: „Gerade in Bereichen, in denen die Tarifbindung niedrig ist, bekommen viele Beschäftigte für ihre Mehrarbeit noch nicht mal eine Entlohnung. Das zeigt, wie dringend wir hier mehr Tarifbindung und Mitbestimmung brauchen.“

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