Der Wolf ist im Alpgebiet unerwünscht

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Wolf
Ein Wolf (Canis lupus) steht im Tier-Freigelände im Nationalpark Bayerischer Wald. (Foto: Patrick Pleul/Archiv / DPA)

Erst ist die Trockenheit ein Thema gewesen. Dann kam noch der Wolf hinzu. Hirten und Senner auf den 695 Allgäuer Hochweiden hatten diesen Sommer durchaus Aufreger zum Bereden. Direkt betroffen waren aber nur die wenigsten. Vom Alpwirtschaftlichen Verein des Allgäus heißt es in einer vorläufigen Bilanz, es sei eine gute Saison gewesen. Nun müssten nur noch die Viehscheide glücklich verlaufen – der erste davon findet an diesem Samstagmorgen ab 9 Uhr in Pfronten (Landkreis Ostallgäu) statt.

Gut 28 000 Jungrinder, 2500 Milchkühe, 400 Pferde sowie rund 300 Ziegen und Schafe durften heuer in die Berge. Das bedeutet Sommerfrische auf der Alm – oder Alpe, wie die Hochweiden im Allgäu heißen. Dieser Tage geht sie zu Ende. Im Rückblick herrscht bei den Älplern offenbar Zufriedenheit. Mit den Worten „es war ein Supersommer“, hat sich bereits Franz Hage, Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins hören lassen.

Kein Schlechtwettereinbruch

Einen einschneidenden Schlechtwettereinbruch hat es dieses Jahr nicht gegeben. Harsche Unglücke sind bisher ausgeblieben. Dennoch war der Alpsommer bereits nach kurzer Zeit nicht mehr völlig sorgenfrei. Dies hatte mit der Trockenheit zu tun. Die Allgäuer Nachbarn im vorderen Bregenzerwald mussten sich bereits im Juni Gedanken wegen des ausbleibenden Regens machen. In dieser Gegend wurden im Hochsommer auch erste hochgelegene Alpen vom Vieh geräumt. Nicht nur, dass Wasser für die Tiere fehlte: Auch das Gras wuchs nicht nach.

Die Bauern schmücken ihre Tiere bei den jetzt beginnenden Viehscheiden. Im Allgäu bekommt allerdings meist nur eine Kuh den Schm
Die Bauern schmücken ihre Tiere bei den jetzt beginnenden Viehscheiden. Im Allgäu bekommt allerdings meist nur eine Kuh den Schmuck. (Foto: dpa)

Die Hochweiden des Allgäus waren aber weniger betroffen. In den Bergen südlich von Oberstdorf gab es Alpen, die noch im August Wasser aus Lawinenresten in schattigen Gebirgseinschnitten erhielten. Laut Informationen von Michael Honisch, dem Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins, sollen jedoch einige tiefer gelegene Weiden in Schwierigkeit gekommen sein: „Speziell in den Vorbergen.“ Gemeint sind damit Regionen, bevor es so richtig in die Höhe geht. Hier hätten einige Alpen die Saison frühzeitig beendet, heißt es von Honisch. Anderswo musste teilweise Wasser zu den Hochweiden gebracht werden.

Mehrere Wolfsrisse am Grünten

Heiße Sommer kennen die Älpler jedoch. Es gibt beispielsweise die Erinnerung an das Jahr 2003. Seinerzeit war es ähnlich trocken gewesen. Dafür ist ein anderes Thema neu gewesen: der Wolf. Zwar waren in den vergangenen Jahren einzelne dieser Raubtiere bereits durchs Allgäu gezogen – aber ohne weitere Auffälligkeiten. In diesem August gab es aber auf der westlichen Seite des Grünten mehrere Wolfsrisse an Kälbern auf der Weide.

Die Aufregung bei den Älplern ist groß. Der Alpwirtschaftliche Verein hat deutlich gemacht, dass für ihn die Anwesenheit des Wolfs im Alpgebiet in keiner Form akzeptabel sei. Rinder auf den Hochweiden könnten nicht effektiv vor den Raubtieren geschützt werden.

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