Der nächste Rekord: Tourismus wird in Bayern noch wichtiger

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Lindau bleibt weiter eine der wichtigsten Ziele für Touristen in Bayern.
Lindau bleibt weiter eine der wichtigsten Ziele für Touristen in Bayern. (Foto: Roland Rasemann)
Ralf Müller

Zum siebten Mal in Folge hat die bayerische Fremdenverkehrswirtschaft ihre Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr steigern können. Mit 98,7 Millionen Übernachtungen wurde 2018 der Vorjahreswert um 4,6 Prozent übertroffen, teilte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Montag in München mit. Bayern hat damit seine Position als beliebtestes Urlaubsland in Deutschland mit großem Abstand vor Baden-Württemberg behauptet. Der Anteil Bayerns an der touristischen Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik wurde mit 20,5 Prozent angegeben.

Die Zahl der Touristen aus den USA ist in Bayern enorm gewachsen – „vielleicht gerade wegen Trump“, wie Aiwanger mutmaßt. Fast 2,1 Millionen Übernachtungen gingen auf Gäste aus den USA zurück (plus 14,7 Prozent). Nach ihnen stellten Österreich (1,74 Millionen Übernachtungen; plus 7,4 Prozent), Schweiz (1,63 Millionen Übernachtungen; plus 3,5 Prozent), Niederlande (1,59 Millionen Übernachtungen; plus 4,4 Prozent), Italien (1,29 Millionen Übernachtungen; plus 6,9 Prozent) sowie das Vereinigte Königreich (1,16 Millionen Übernachtungen; plus 5,7 Prozent) die stärksten ausländischen Gästekontingente. Die weitaus meisten Gäste kamen jedoch aus Deutschland (78,21 Millionen Übernachtungen; plus 3,9 Prozent).

„Die Zahlen passen, aber es ist noch Luft nach oben“, sagte Wirtschaftsminister Aiwanger. Mit dem von ihm durchgesetzten Dorfwirtschafts-Modernisierungsprogramm im Volumen von jährlich 15 Millionen Euro, das „in den Startlöchern“ stehe, will Aiwanger kleineren Gasthäusern außerhalb von Großstädten unter die Arme greifen.

600 000 Jobs im Tourismus

Der Tourismusbranche, die in Bayern mit bis zu 600 000 Beschäftigten im Jahr 2017 rund 40 Milliarden Umsatz erzielte, will Aiwanger außerdem durch Wecken von „mehr Verständnis“ bei den Behörden entlasten. Brandschutz, Lebensmittel- und Finanzkontrollen sollten „nicht über den Zweck hinausschießen“, sagte Aiwanger unter heftiger Zustimmung der Präsidentin des bayerischen Hotel- und Gatststättenverbands Angela Inselkammer: Der neue bayerische Wirtschaftsminister habe die Sorgen der Branche über zu hohe Bürokratiebelastung und zu starre Arbeitszeitregeln „ganz und gar verinnerlicht“.

Auch die oppositionelle SPD-Fraktion im bayerischen Landtag unterstützt Aiwanger in seinem Bemühen, den ländlichen Raum zu stärken und die bayerische Wirtshauskultur zu fördern. „Wir können uns freuen, dass Bayern nach wie vor das beliebteste Reiseland in Deutschland ist", erklärte die tourismuspolitische Sprecherin Martina Fehlner.

Bei der staatlichen „Bayern Tourismus Marketing GmbH (by.TM)“ nimmt man das aus Gründen der Klimaschädlichkeit von Fernreisen aufkeimende schlechte Gewissen so mancher Urlauber wohlwollend zur Kenntnis. Wegen des großen ökologischen Fußabdrucks bei Fernreisen entdeckten immer mehr umweltbewusste Menschen den „Urlaub dahoam“.

Der tourismuspolitische Sprecher der Grünen im Landtag Christian Zwanziger forderte ein dichteres Bus- und Bahnnetz im Freistaat sowie verlässliche Taktzeiten im öffentlichen Personenverkehr, um den Tourismus auch abseits der Ballungsräme zu entwickeln. Vorarlberg in Österreich mache es vor, indem es den Besuchern einen Bus-Stundentakt quer durchs Land mit einheitlichem Tarifsystem zu günstigen Preisen anbiete.

SPD-Tourismusexpertin Fehlner weist auf regionale Unterschiede hin: Während Oberbayern und Schwaben boomten, hätten Orte in Unter- wie Oberfranken und Oberpfalz noch Wachstumspotential.

Tatsächlich war die Landeshauptstadt München im vergangenen Jahr mit 17,12 Millionen Übernachtungen (plus 9,3 Prozent) mit Abstand die gefragteste Destination im Freistaat.

Tourismus in Schwaben boomt

Unter den 25 wichtigsten Destinationen fanden sich neun schwäbische Orte: Oberstdorf, gefolgt von Füssen, Oberstaufen, Lindau und Bad Hindelang sowie Augsburg, Schwangau, Bad Wörishofen und erstmals auch Günzburg – wo sich das Legoland Deutschland befindet.

Insgesamt registrierte Schwaben 17,02 Millionen Übernachtungen (plus 4,7 Prozent) – und liegt damit bei den Regierungsbezirken hinter Oberbayern.

Zwischen 2008 und 2018 legte die Zahl der Übernachtungen in Schwaben um 32,7 Prozent zu. In Bayern insgesamt stieg die Zahl der Übernachtungen in diesem Zeitraum um 28,3 Prozent.

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