Der Gutachter als Richter

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Der Gutachter als Richter
Schwäbische Zeitung
Klaus Nachbaur
Redakteur

Deutlicher geht es nicht: Nun hat auch das Bundesverfassungsgericht den Richtern des Gustl Mollath bescheinigt, dass sie schlampig gearbeitet haben. Der Fall reicht inzwischen weit über das persönliche Unrecht hinaus, welches der Mann mutmaßlich erdulden musste. Er ist geeignet, nachhaltig Vertrauen zu zerstören: in die Sorgfalt von Richtern, in die Kompetenz von Gutachtern, kurz: in ein funktionierendes Strafsystem.

Immer mehr kristallisiert sich heraus, wo der Hase im Pfeffer lag beziehungsweise liegt. Es ist die unreflektiert wirkende Abhängigkeit der Richter von den Gutachtern. Bei Gustl Mollath drängt sich der Eindruck auf, dass diejenigen, die das Urteil gesprochen und es immer wieder bestätigt haben, nur ausführende Organe psychiatrischer Sachverständiger waren. Diese Rollenverteilung ist aber nicht im Sinne des Erfinders.

Eigentlich wäre speziell im Fall Mollath ein ganz einfacher Gedanke hilfreich gewesen: Man kann doch nicht einen Mann sieben Jahre wegsperren, dem kein einziges Gewaltdelikt gegen Personen nachzuweisen ist. Dazu hätte es keiner Gutachter bedurft.

k.nachbaur@schwaebische.de

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